von René Hildbrand
Mit Dokumentationen und aktuellen Berichten schilderten und feierten die meisten TV-Sender in den letzten Tagen ein Jubiläum: Das Potenzmittel Viagra ist am 27. März zwanzig Jahre alt geworden. Nicht alle Beiträge über das blaue Wunder waren hochstehend. SRF brachte die zähe Dok «Erektion um jeden Preis». Immerhin: In der Produktion des Westschweizer Fernsehens und von 3sat kamen Männer zu Wort, die zum Viagra-Gebrauch stehen. Franzosen, Deutsche – und nur ein Schweizer.
Forscher des Pharmakonzerns Pfizer arbeiteten in den frühen 1990er Jahren mit dem Stoff Sildenafil an einem Medikament gegen Bluthochdruck und Angina Pectoris. Testpersonen (Minenarbeiter) berichteten von erfreulichen Nebenwirkungen: das Mittel verschaffe ihnen häufiger und längere Erektionen. So ist durch Zufall ein Präparat gegen Potenzstörungen entstanden.
Der Medikamenten-Riese Pfizer (im 19. Jahrhundert vom Süddeutschen Karl Pfizer gegründet) brachte den Wirkstoff unter dem Markennamen Viagra auf den Markt – und verdient bis heute Milliarden damit. Mehr als 64 Millionen Männer haben inzwischen über drei Milliarden der blauen Pille geschluckt. Diese hat das Sexleben vieler Menschen positiv verändert, auch wenn sie nicht alle damit verbundenen Probleme löst. Doch paar Jahrzehnte nach Einführung der Anti-Baby-Pille war mit Viagra eine zweite «sexuelle Revolution» ausgebrochen.
In TV-Strassenumfragen reagierten Frauen und Männer überwiegend humorvoll auf das Viagra-Jubiläum. Lästerzungen behaupten übrigens, die Pille werde in Rautenform produziert, damit sie nicht davonrolle, wenn sie älteren Männern runterfalle. Und ein deutscher Werber hatte Pfizer vor Jahren folgenden Slogan für den Topseller vorgeschlagen: «Wir stellen die Weichen.»