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Was soll Politik im «Wort zum Sonntag»?

Sie wettern gegen Sonntagsarbeit, Rüstungsindustrie, Flugzeugbeschaffung der Armee, Waffengebrauch und Waffenexport. Oder halten, wie letzte Woche, ein Plädoyer für ein Holocaust-Museum in der Schweiz. Protestantische wie katholische Pfarrerinnen und Pfarrer ärgern mit ihren Kommentaren im «Wort zum Sonntag» häufig Zuschauer. Und beschäftigen die Ombudsstelle SRG-Deutschschweiz. Dort bekommen sie allerdings fast immer recht.

Zahlreiche Theologen vertreten die Meinung, dass sich die Kirche in die Politik einschalten muss. Viele andere aus ihrer Gilde wollen das nicht. Pfarrer Martin Baumgartner von der evangelisch-reformierten Kirche Schaffhausen sagt: «Die Kirche soll sich nicht politisch äussern. Ausser in einer Diktatur, da fällt ihr diese Rolle zu.» Dieser Meinung schliesse ich mich an.

Giuseppe Garcia, Medienbeauftragter des Bistums Chur, unterstrich kürzlich in seiner Blick-Kolumne: «Priester und Bischöfe sollen sich nicht ins Tagesgeschäft der Politik einmischen». Ausserdem: «Sie sollen ihr Amt nicht zur politischen Bevormundung ihrer Schäfchen missbrauchen. In vielen Fragen kann man als guter Christ guten Gewissens dieser oder jener Meinung sein. Eine moralische Gängelung seitens der Kirche ist klar abzulehnen.» Übrigens: Zum Fall des eben vom Bischof entlassenen Pfarrers der Kathedrale Freiburg, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird, hat sich bislang noch niemand aus dem «Wort zum Sonntag»-Team geäussert.

Laut Schweizer Fernsehen ist das «Wort zum Sonntag» ein «Kommentar aus christlicher Sicht zu religiösen, spirituellen und ethischen Fragen». Die Kirchenkolumne ist seit über 60 Jahren auf Sendung und erreicht regelmässig hunderttausende von Zuschauern. Dies dank ihrem Platz zur allerbesten Sendezeit – am Samstagabend um 20 Uhr. In der ARD dürfen die Theologen erst viel später missionieren: Hinter den «Tagesthemen», weit nach 23 Uhr. Darum sind sie auch weniger exponiert. Dennoch wurde die Einmischung der Kirche in Politik und Wirtschaft auch schon vom hoch angesehenen Staatsmann Wolfgang Schäuble (CDU) kritisiert, dem Präsidenten des deutschen Bundestages.

Erheitert erinnere ich mich beim Thema dieser Kolumne an einen Spruch, der einst auf einer Friedhofmauer aufgesprayt war: «Gott ist nicht tot. Er ist nur beim ‹Wort zum Sonntag› eingeschlafen.»


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