28.04.2016

Verkehrte Welten

Roger De Weck und Frank Bodin tauschen die Jobs

Frank Bodin ist SRG-Generaldirektor und Roger de Weck übernimmt die Werbeagentur Havas: Am Donnerstag war dies für kurze Zeit Realität. Wie kam dieser Sesseltausch zustande? Und was bringt er den beiden? persoenlich.com hat nachgefragt.
Verkehrte Welten: Roger De Weck und Frank Bodin tauschen die Jobs
von Matthias Ackeret

Wie ist die Idee dieses Jobwechsels entstanden?
Frank Bodin: Wenn ich mich richtig erinnere, bei einem Gedankenaustausch am Rande eines Meetings, während eines Essens. Unsere Branchen haben ja doch einige Schnittmengen und ähnliche Herausforderungen - zum Beispiel digital und kulturell - und weil wir beide gerne über unsere Tellerränder hinausschauen (erst recht beim Essen), war die Idee irgendwann mal auf dem Tisch. Ausserdem verbindet uns die Leidenschaft zum Schreiben - Roger als Werbetexter zu haben, ist natürlich ein Gewinn für die Kunden und die Agentur.

Wer gab die Initialzündung?
Roger de Weck: Spontan im Gespräch war die Idee da – der Austausch mit Frank bringt immer schöne, originelle, weiterführende Ideen hervor.

Herr de Weck, Sie haben nun einen Tag bei Havas gearbeitet. Ist es so, wie Sie sich eine Werbeagentur vorgestellt haben?
de Weck: Ja. Seit je habe ich eine Neigung zur Welt der Werbung und manche Freunde in dieser Welt, die Emotion und Strategie verbindet, Kreativität und Kalkül. Und: Wiewohl aus anderen Gründen, geht es in der Werbung wie im Journalismus darum, starke Botschaften in knappe Worte und Bilder zu fassen. Immer mal besuche ich eine Agentur, wenn ich eingeladen werde.

R de Weck Kreationk

Sie haben – wie Sie einmal in einem «persönlich»-Text schrieben – bereits früher einmal Werbetexte geschrieben. Hat sich die Werbewelt von damals zu heute stark verändert?
de Weck: Ja, genauso die Medienwelt: Beide sind inzwischen digital, immer digitaler, noch digitaler – und ich geniesse die Chance, in meinem Alter grundlegend umzudenken, neue Fertigkeiten zu erwerben, vor allem eine ganz andere Haltung einzunehmen: offener als in der analogen Zeit.

Wie ist der Tag bei Havas abgelaufen?
de Weck: Manche Erfahrung nehme ich nun mit in meine Arbeit bei der SRG – beispielsweise das Tischgespräch (bei echt köstlichen Sushi im Konferenzraum) mit dem Havas-Führungsteam: wie der «digital shift» sowohl zielstrebig als auch sanft zu gestalten ist; wie sich nicht nur die Öffentlichkeit fragmentiert, sondern auch die Berufsbilder. Quintessenz: Neue Freiräume eröffnen, die Kolleginnen und Kollegen wirken lassen; genau das übrigens empfiehlt auch die Zukunftsstudie zur SRG 4.0 des Gottlieb Duttweiler-Instituts GDI.

Was hat Sie am meisten überrascht?
de Weck: Im Kleinen: Frank hatte eine Visitenkarte drucken lassen: «Havas Worldwide Switzerland, Roger de Weck, Chairman & CEO». So schön. Im Grösseren hat mir ganz besonders gefallen: das schöne, lustvolle, produktive Zusammenspiel von Jung und Alt bei Havas.

Frank Bodin 2

Nun zu Ihnen, Herr Bodin. Wie war es für einen Tag an der Spitze der SRG zu stehen?
Bodin: Inspiration und lehrreich. Herausforderungen, welche die Agenturen im Kleinen erfassen, beschäftigen natürlich auch längst die grosse SRG. Neue Technologien, neue Konkurrenz und die neue Mediennutzung, hinzu kommt der finanzielle Druck. Strategische Fragen wie der Kulturwandel, das Bekämpfen von Silodenken, Innovationsförderung sind dabei von besonderem Interesse für mich.

Wen haben Sie als Generaldirektor ad Interim alles getroffen?
Bodin: Die Assistentin Emilie Ridard, welche alles perfekt organisierte. Eliane Noverraz, Beraterin Strategie, die mir eine gescheite Präsentation vorbereitete und mit der ich ein inspirierendes Gespräch führen durfte. Mauros Dosch, Leiter Prozesse, der mir einen Einblick in die Komplexität der SRG verschaffte. Peter Schibli, Direktor von Swissinfo, der mich durch die multikulturelle Redaktion führte; dazu gehörte eine Sitzung mit dem Marketing und eine Redaktionssitzung. Mariano Tschuor, ein ex-Kunde von Havas, der heute Leiter Märkte & Qualität ist und der mir einen tiefen Einblick in die besonderen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der SRG gab. Dann stehen noch Admeira und das Produktionszentrum Bundeshaus auf dem vollen Programm.

Und nun, wäre SRG-Generaldirektor Ihr Traumjob?
Bodin: Als Werber habe ich mehrere Agenturen neu kreiert - Dinge anders zu denken und zu verändern liegt mir. So gesehen ist der SRG-Generaldirektor ein Traumjob. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich das politische Fingerspitzengefühl und vor allem die Geduld dafür mitbringe - ohne das, kann der Traumjob schnell zum Albtraumjob werden.

Bei Roger de Weck waren es Ihre gedruckten Visitenkarten: Was hat Sie bei Ihrem SRG-Einsatz am meisten überrascht?
Bodin: Die Modernität und Offenheit der Menschen. Die SRG ist alles andere als ein angestaubter Bundesbetrieb, sondern ein zukunftsorientiertes, hochprofessionelles Unternehmen.  

Sowohl die Medien- wie auch die Werbebranche stehen unter massivem Druck. Haben Sie dies bei Ihrer Kürzesttätigkeit auch festgestellt?
Bodin: Der politische und finanzielle Druck ist spürbar. Stellenabbau ist dabei ein Thema und eine Herausforderung für alle, die mit Führungsaufgaben betraut sind.

Wenn Sie beide auf den gestrigen Tag zurückschauen: könnten Sie sich vorstellen, den «anderen» Job täglich auszuüben?
Bodin: Dass ich mir irgendwann vorstellen könnte, etwas anderes als Werbung zu machen, ist kein Geheimnis. Aber nicht als GD der SRG. Ich kenne Roger de Weck ein wenig und schätze ihn gross: Dazu gehört, dass mir beim besten Willen keine bessere Persönlichkeit als Roger einfällt, welche diesen anspruchsvollen Job meistern kann.
de Weck: Ja, ohne Zweifel, aber nicht so gut wie Frank.

Bilder: zVg.



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