22.06.2017

Cannes Lions 2017

«Wir haben voll ins Schwarze getroffen»

Valentin Spiess war in Basel statt in Cannes. Der CEO von Iart konnte darum am Mittwochabend seinen Löwen nicht persönlich auf der Bühne im Palais des Festivals entgegennehmen. Gegenüber persoenlich.com verrät er die Hintergründe seiner Gold-Idee.
Cannes Lions 2017: «Wir haben voll ins Schwarze getroffen»
Mit dem Lichtfries fürs Kunstmuseum Basel hat er schon 13 Awards abgeräumt: Valentin Spiess (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Herr Spiess, Sie als gelernter Ingenieur gewinnen Gold bei den Werbe-Oscars. Seit wann kennen Sie die Cannes Lions überhaupt?
Die Cannes Lions kennt man – spätestens seit wir 2014 den Grand Prix in der Kategorie «Innovation» gewonnen haben für unsere kinetische Fassade des Mega-Faces-Pavillon in Sotschi.
 
Wurmt es Sie, dass Sie den Gold-Löwen nicht hier persönlich entgegennehmen konnten?
Natürlich, aber ich hatte einen würdigen Vertreter, der massgeblich am Projekt beteiligt war: Steffen Blunk.
 
Nach dem Erfolg bei den ADC-Awards konnten Sie durchaus mit einer guten Platzierung hier rechnen.
Ja, wir sind selber erstaunt, dass wir mit dem Projekt schon 13 Awards gewonnen haben. Scheinbar haben wir mit dem Projekt voll ins Schwarze getroffen.
 
Der Lichtfries scheint ein perfektes Beispiel dafür, dass sich Technik und Kreativität ergänzen. Was ist die wichtigste kreative Leistung dabei?
Das Zusammenspiel von natürlichem und künstlichem Licht und Schatten durch die indirekte Beleuchtung der Fuge vom Lichtfries.
 
Die Fassade passt sich der Umgebung und dem Innenleben des Museums an. Wie funktioniert die Steuerung?
Die Inhalte des Lichtfries werden vom Museum selbst über ein von uns entwickeltes CMS eingegeben, während die Lichtstärke des Fries sich selbstständig anpasst an die jeweilige Lichtmenge auf der Fassade.
 
Das tönt sehr aufwändig. Wie viel investierte das Museum in dieses Projekt?
Dazu dürfen wir nichts sagen.
 
Sie haben in «Design» gewonnen. Was bedeutet das?
Das bedeutet, dass die Interdisziplinarität, wie wir sie als Firma mit einem sehr diversen Team leben, zu neuen Ausdrucksformen führt – und dass Design und Technik nicht zu trennen sind.
 
Friese sind ein sehr altes Stilelement der Architektur. Gibt es moderne, die Sie inspiriert haben?
Schon seit den Griechen, Inkas und Römern war ein Fries nicht nur Stilelement, sondern auch ein Kommunikationsmittel. Ein moderner Fries, der uns inspirierte, war sicher das Gebäude der New York Times auf dem Times Square. Dort wurde in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts bereits ein Nachrichtenticker in Form eines Frieses aus Glühbirnen installiert.
 
Welche Teile der Arbeit realisierte Ihre Firma?
Die gesamte Entwicklung und Gestaltung des Lichtfries.
 
Wie waren die Architekten Christ und Gantenbein involviert?
Schon beim Wettbewerb kamen Christ und Gantenbein auf uns zu mit der Idee eines Fries, als Bezug zum alten Gebäude sowie als Fassadenbespielung. Wir haben dann gemeinsam und iterativ die Lösung entwickelt im Sinne einer klassischen Kooperation.
 
Bei der Iart AG arbeiten rund 40 Leute. Wie werden Sie den Erfolg feiern?
Inzwischen sind wir sogar bei rund 50 Angestellten, ohne Freelancer. Wir haben die verschiedenen Preise und das Projekt selbst schon gefeiert – zur Zeit ist es leider zu heiss.



Seit 2001 realisiert die Basler Firma Iart Projekte im Spannungsfeld von Medien, Kunst und Technologie mit dem Schwerpunkt Interaktion im Raum. Es hat während der letzten Jahre eine Reihe von innovativen und internationalen Projekten realisiert. Beispiele sind der UK-Pavillon in Astana (2017), die interaktiven Bücher für die Ausstellung «Paul Gauguin» in der Fondation Beyeler (2015), die kinetische Fassade «MegaFaces» an den Olympischen Winterspielen in Sotschi (2014), die interaktive Fassade des Coca-Cola-Beatbox-Pavillons an den Olympischen Sommerspielen in London (2012) oder die interaktive Fassade des Schweizer Pavillons an der Expo 2010 in Shanghai.

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