von René Hildbrand
Spannender, emotionaler, zweckdienlicher: Die Sendung «Bumann, der Restauranttester» bringt Publikum und Gastronomie bedeutend mehr als die täglichen Fressgelage in der Doku-Soap «Mini Beiz, dini Beiz». Der frühere Sternekoch Daniel Bumann (59) und der Privatsender 3+ haben aus einem ursprünglich englischen Format über die Jahre einen Schweizer TV-Hit gemacht.
Es ist den meisten von uns schon passiert: Man geht leichtfertig in ein Restaurant und kommt zwei Stunden später leicht fertig wieder raus. Weil Qualität, Leistung oder Ambiente nicht stimmte. Oder weil der Wirt nicht eingesehen hat, dass er seinen Preisen eine Diät verordnen müsste.
Bereits in der 10. Staffel ist Daniel Bumann als Restauranttester im Land unterwegs. Der Walliser und Wahlbündner besucht, testet und berät ratlose, überforderte, verschuldete oder verzweifelte Wirte, deren Beiz nicht läuft. Die nicht weiterwissen und Hilfe brauchen. Denen das Wasser teils bis zum Hals steht. Manche sind den Tränen nahe, sie tun einem leid. So wie in der letzten Sendung der Inhaber einer Pizzeria in Rothenthurm (SZ), ein Autodidakt, der seine Pensionskasse aufgelöst und alles auf eine (Speise-)Karte gesetzt hat. Schuld an den Problemen in der Gastronomie sind meist die Wirte selbst. Der Tester: «Es ist oft schon ein Hit, wenn Teller und Essen warm sind.»
Bumann sieht und analysiert sehr schnell, was in einer Beiz schief läuft. Und er fühlt den Wirten auf den Zahn, versucht alle wirtschaftlichen Probleme aus ihnen herauszulocken. Den Zuschauern gefällt seine klare Sprache: «Schaffe, schaffe, luege, luege. Du musst dich anstrengen, ich habe dir doch gezeigt, wie es geht!» Oder: «Mit Handauflegen ist euch nicht geholfen. Es ist euer Restaurant, nicht meins, zum Glück!»
Ob in einem heruntergewirtschafteten Gasthaus am Jurasüdfuss oder in einem In-Lokal beim Zürcher Paradeplatz: Der Restauranttester zieht auch schon mal selber die Kochbluse an, hilft und «unterrichtet» in der Küche. Bumann kritisiert nicht nur hart, er motiviert auch. Aufbauend, empathisch, oft humorvoll. Mal wird er enttäuscht, manchmal blühen verzweifelte Wirte am Schluss der Sendung auf und nutzen die letzte Chance, um den Untergang ihrer Existenz zu verhindern. Bei anderen Betrieben ist die später Pleite unvermeidlich.
Daniel Bumann hat noch lange zu tun: Über 30’000 Beizen gibt es in der Schweiz. Für SRF offensichtlich zu wenig. Die ganze letzte Woche wurde für «Mini Beiz, dini Beiz» im Elsass geschlemmt.
