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«Arena/Reporter» hat an Boden gewonnen

Marcus Knill

Vorweg darf gesagt werden: Die zweite Sendung «Arena/Reporter» hat einen merkbaren Schritt nach vorne gemacht. Es dominierte nun ein klares Konzept. Die Verlängerung um zehn Minuten verhalfen dieser Sendung zu mehr Tiefgang. Als Beobachter – ich sass im Studiopublikum – habe ich das Moderatorenteam eindeutig als viel souveräner erlebt. Das Team harmoniert sehr gut.

Wiederum steht Christa Rigozzi im Mittelpunkt. Sie wirkt viel selbstverständlicher, glaubwürdiger. Sie schafft es auch, Langredner zu unterbrechen, ohne sie zu verletzen. Die Rollenteilung ist in der zweiten Sendung offensichtlich viel klarer und eindeutiger als beim ersten Mal: Jonas Projer ist für die Gespräche mit den Diskutanten zuständig, und Rigozzi agiert als Vermittlerin zu den Zuschauern und den Stimmen im Netz. Nur einmal hat Rigozzi in Projers Terrain «gegrast»: Nach einem publizierten Text im Netz befragt sie unverhofft auch Cédric Wermuth in der Gesprächsrunde, für die eigentlich Projer zuständig zeichnet.

Das «Dreamteam» – wie es diesmal bezeichnet wird – versteht es zudem, schon vor der Sendung die Brücke zum Studiopublikum persönlich auf angenehme Art aufzubauen. Dennoch gibt es einige Punkte, bei denen das «Arena/Reporter»-Team über die Bücher gehen müsste:

1. Beim Titel «Grenzerfahrung – Retten oder Abweisen?» müssten diese Begriffe der Grundsatzfrage unbedingt vertiefter ins Zentrum gerückt werden. Ich hätte gerne Leute erlebt, die selbst Erfahrungen einbringen hinsichtlich Grenzerfahrungen oder Erfahrungen beim Retten. Im Zentrum stand jedoch ein recht langer Film mit dem Piloten und seinem privaten Umfeld. Eine engagierte Person, die Rettern behilflich sein möchte. Ferner war eine Einspielung zu sehen mit Grenzwächtern, die illegale Einwanderer an der Grenze abfangen müssen.

2. Wenn die Sendung unter «Arena/Reporter» ausgestrahlt wird, erwartet der Konsument vor allem einen Film, der das Wort «Reporter» ernst nimmt. Das Portrait eines Piloten, der privat und für seinen Einsatz so langatmig dokumentiert wird, wirkt für zahlreiche Beobachter zu langfädig. Reporter wären gefragt, die ihre Erfahrungen an der Front schildern. Weshalb nicht einen Film zusammenschneiden mit echten Reportern, welche an der Grenze, beim Verladen der Schiffe, bei Rettungsaktionen, beim Abfangen der Schlepperboote die Situation möglichst realistisch darstellen?

3. Zur Auswahl der Akteure: Nach der Ankündigung war das Setting – laut Ausschreibung – so ausgelegt, dass es zwei Kontrahenten gibt (Norman Gobbi und Cédric Wermuth) und dann zwei Akteure, welche den Themenkreis von aussen beleuchten (Die Flüchtlingshelferin Liska Bernet und der ehemalige Direktor des Bundesamtes der Flüchtlinge, Peter Arbenz). Gesondert stehen zudem noch die Filmakteure (Pilot Fabio Zgraggen und Grenzwächter Patrick Benz) an einem Tisch für Aussagen zur Verfügung. Das Publikum legt bei politischen Auseinandersetzungen grossen Wert auf Ausgewogenheit hinsichtlich der Positionierung der Gesprächsteilnehmer. Bei dieser «Arena/Reporter»-Sendung kann die Auswahl der Akteure aber als unausgewogen bezeichnet werden. Nicht, weil Nationalrat Gobbi rhetorisch dem abgeklärten Dialektiker Wermuth stark unterlegen war und unverständlich gesprochen hatte, sondern weil die Positionen hinsichtlich unbeschränkte Aufnahme von Flüchtlingen von vier Akteuren unterstützt worden sind, nämlich von Wermuth, Bernet, Arbenz und Zgraggen. Grenzwächter Benz können wir ausklammern: Er kam nur zu Wort, als ihn Projer persönlich zu einem Votum animiert hatte. An seiner Stelle hätte ich mich gefragt: Für was bin ich eigentlich da? Die Sicht der Retter dominierte offensichtlich. Für ein Gegengewicht sorgten immerhin die beiden Frauen im Studiopublikum.

4. In meinem Bekanntenkreis haben viele bei «Arena/Reporter» nur kurz reingeschaut. Immer wieder hörte ich die Bemerkung, dass die Sendung – so spät am Sonntagabend – zu einem schlechten Zeitpunkt angesetzt sei. Man könne am anderen Tag nicht ausschlafen und müsse am Montagmorgen wieder früh fit sein. Wenn schon Fernsehkonsum so spät, dann dürfe es kein anspruchsvolles Menü sein. Unterhaltung ja – aber keine politische Kost. Über den Zeitpunkt werden die «Arena»-Macher wohl kaum Einfluss nehmen können. Was mich aber brennend interessiert: Wie haben sich wohl die aktuellen Verbesserungen des Konzeptes auf die Akzeptanz des Publikums ausgewirkt?

Ich bin überzeugt, dass das selbstkritische «Arena»-Team auch diese konstruktive Kritik ernst nehmen wird und an der Optimierung dieses Formates weiterarbeitet.


Marcus Knill ist Experte für Medienrhetorik und Autor der virtuellen Navigationsplattform für Kommunikation und Medien www.rhetorik.ch.

Der Autor vertritt seine eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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