BLOG

Zurück zur PTT geht nicht

Matthias Aebischer

Moderator, Initiant und auch die Gegner der «Pro Service Public-Initiative» waren perplex in der TV-Diskussionssendung «Arena» vom letzten Freitag. Nach der Frage in die Zuschauerrunde von Bundesrätin Doris Leuthard, wer noch alles mit dem gelben Büechli Einzahlungen tätige, streckte nur gerade eine einzige Person von rund 40 Anwesenden die Hand in die Höhe.

Auch ich habe früher mit dem gelben Büechli einbezahlt, zum letzten Mal jedoch vor 31 Jahren. Sogar meine Mutter, heute 76-jährig, hat sich bereits vor 20 Jahren vom gelben Büechli verabschiedet. Heute werden immer mehr Einzahlungsscheine mit dem Handy eingescannt, Zugbillette am Automaten und per Handy gelöst und Briefe per Email verschickt. Die Zeiten haben sich geändert. Die bundesnahen Betriebe bewegen sich in einem teilliberalisierten Markt, der von rasanten technologischen aber auch sozialen Veränderungen geprägt wird.

Gerade in diesem Umfeld ist es wichtig, dass die Unternehmen mögliche Gewinne in neue Technologien oder Infrastrukturen investieren oder zu Investitionszwecken Rückstellungen tätigen können. Sie müssen fit und agil bleiben. Gut möglich, dass die eine oder andere Veränderung manchmal etwas rasant vollzogen wird. Doch das Rad zurück drehen, wie das die Pro Service Public-Initiative fordert, können wir definitiv nicht.

Einzig und alleine die Forderung nach einer Reduktion der Chefsaläre ist meines Erachtens unterstützungswürdig. Doch auch hier ist die Initiative nicht klar. Denn sie fordert, dass die Löhne aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter denjenigen der Bundesverwaltung angepasst werden. Die Pro Service Public-Initiative verspricht also viel, entpuppt sich aber beim näheren Hinschauen zur Contra Service Public-Initiative. Es ist deshalb ratsam, den Initiativtext vor dem Abstimmen noch einmal genau zu studieren.

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

  • Roger Doelly, 20.05.2016 11:56 Uhr
    Schöne Geschichte vom gelben Büchlein. Aber belanglos. Nochmals: Die Post darf auch nach einer Annahme der Vorlage Gewinne machen. Sie soll die Gewinne jedoch nicht mehr als versteckte Steuern für andere Staatsaufgaben abliefern müssen. Sondern zum Beispiel in Technologien und Infrastrukturen investieren können – wie Matthias Aebischer dies vorschlägt. Es ist deshalb ratsam, dass Matthias Aebischer den Initiativtext vor dem Abstimmen noch einmal genau studiert.

Die neuesten Blogs

20.07.2017 - Roger Schawinski

Die Chronik eines angekündigten Todes II

Eine Zeitung mit einer Vielzahl solcher Ikea-Cartier-«Artikel» verliert ihre Glaubwürdigkeit.

Zum Seitenanfang