04.04.2017

Brisante Enthüllungen

Die Übergriffe des «neuen Pestalozzi»

Markus Zangger bricht sein Schweigen: Im Buch «Jürg Jegges dunkle Seite» macht er publik, dass er vom als «Musterpädagogen» bekannten Lehrer sexuell und psychisch misshandelt wurde. Am Dienstagmorgen ist es im Zürcher Volkshaus vorgestellt worden.
Brisante Enthüllungen: Die Übergriffe des «neuen Pestalozzi»
Die beiden Autoren präsentierten am Dienstagvormittag ihr Buch: Markus Zangger und Hugo Stamm. (Bild: Tim Frei)
von Tim Frei

Über 30 Journalisten strömten am Dienstagmorgen ins Zürcher Volkshaus. Der Grund: Der Wörterseh Verlag hatte zur Medienkonferenz über ein «Enthüllungsbuch» geladen. «Das Buch hat eine Brisanz, die das ganze Land nicht nur interessieren, sondern auch erschüttern wird», schrieben die Verantwortlichen des Verlags in der Einladungsmail. Mehr Informationen gaben sie nicht preis, umso grösser waren die Spekulationen unter den Journalisten vor Ort. Einer witzelte: «Vielleicht kommt ja heraus, dass die Ex-Miss-Schweiz Dominique Rinderknecht (Anm. d. Red.: Sie ist mit Tamy Glauser – einer Frau – zusammen) doch einen Freund hat».

Das grosse Medieninteresse kam nicht von ungefähr: Ein Mitarbeiter der SRF-Sendung «10vor10» erklärte gegenüber persoenlich.com, dass der Verlag bei ihnen die grosse Werbetrommel gerührt habe. Das war offensichtlich kein Einzelfall: Auch «Watson», der Tagi, TeleZüri, Radio 24, Radio Energy und viele weitere Medien waren präsent.

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Pünktlich um 10 Uhr erlöste Gabriella Baumann-von Arx die gespannte Medienschar. «Markus Zangger wurde in der Schule von seinem Lehrer, dem bekannten Musterpädagogen Jürg Jegge, sexuell und psychisch missbraucht. Darüber handelt das Buch», so die Geschäftsführerin des Wörterseh Verlags. Das *Buch hat den Titel «Jürg Jegges dunkle Seite. Die Übergriffe des Musterpädagogen» und wurde von Zangger in Zusammenarbeit mit Co-Autor Hugo Stamm geschrieben.

1970 wurde Zangger als 12-Jähriger bei der psychologischen Abklärung durch Jegge zum Sonderschüler degradiert und in dessen «angstfreie» Schule versetzt. An der Medienkonferenz berichtet das heute 59-jährige Opfer davon, wie sein Lehrer ihn während einer Autofahrt zum ersten Mal zwischen die Beine gefasst habe. Mit 27 Jahren habe er seinem heute 73-jährigen Peiniger erklärt, dass er bestimme, wer seinen Körper berühren dürfe. Die Antwort von Jegge werde er nie mehr vergessen. «Er sagte, dann wollen wir schauen, wie weit du ohne mich kommst», so Zangger.

Jegge ist Autor des Bestsellers «Dummheit ist lernbar – Erfahrungen mit Schulversagern» und wurde im letzten Jahr als «Lehrer der Nation» gefeiert. Im neuen Buch kann der «neue Pestalozzi» zwar nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen. «Denn es handelt sich um die Lebensgeschichte von Zangger», wie Stamm vor den Medien begründete. Die Autoren haben sich für eine andere Variante entschieden: 2015 schrieb der «Musterpädagoge» einen Brief an seinen Schüler. Darin rechtfertigte er sein Verhalten. Im Buch wurde dieses Schriftstück integral abgedruckt. Jegge hatte damals erfahren, dass sein Opfer mit anderen betroffenen Schülern gesprochen hatte. «Drei Psychologen erklärten mir, dass sich der Brief als Geständnis liest», so Zangger.


*Ab dem 5. April ist das Buch «Jürg Jegges dunkle Seite. Die Übergriffe des Musterpädagogen» im Handel erhältlich.

2 : Buch-Cover



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