20.05.2016

Admeira

Werbeallianz präsentiert sich erstmals der Branche

Rund 400 Gäste aus der Schweizer Werbe- und Medienbranche versammelten sich anlässlich des ersten Kundenevents von Admeira im StageOne in Zürich-Oerlikon. Der Anlass stand unter dem Motto «Perspektivenwechsel». Roger de Weck sorgte für eine Überraschung.
Admeira: Werbeallianz präsentiert sich erstmals der Branche
von Matthias Ackeret

Alles war in admeirablau getüncht: der Teppich, die Dekoration, höchstwahrscheinlich sogar die Beleuchtung. Es war klar: hier überliess man nichts dem Zufall. Wenige Wochen nach dem Start wollte sich die umstrittene Werbeallianz zwischen Swisscom, der SRG und Ringier vor der versammelten Branche im Zürcher Veranstaltungslokal StageOne nur vor der besten Seite präsentieren. Das hiess: wenig Politik und Juristerei, dafür Innovation und Zukunftsglaube. 

Admeira-CEO Martin Schneider erläuterte im Gespräch mit Moderator Hannes Britschgi – von vielen Verlegertagungen rhetorisch gestählt – wie man die Kunden mit neuen Produkten und übergreifenden Konzepten in der Vermarktung unterstützen wolle. «Wir setzen zudem verstärkt auf Crossmedia-Lösungen, lassen Kampagnen quer über alle unsere Kanäle laufen und steuern sie noch mehr auf Zielgruppen aus», so Schneider.

Gleichzeitig liess er durchblicken, dass die Integration der vier Betriebskulturen von SRG, Swisscom, Ringier und Axel Springer, die neu vereinigt werden, nicht ganz einfach sei. Um eine Einheit zu schaffen, so Schneider, brauche es klare Vorgaben, eine vorbildliche Führung und – vor allem Erfolg. Gegen Jahresende wird das Admeira-Team in den Zürcher Medienpark an der Flurstrasse 55 in Altstetten dislozieren, wo neben den 200 Admeira-Mitarbeitern zusätzlich 400 von Ringier und Axel Springer Schweiz beschäftigt sein werden. Diese geografische Nähe sei für das Gelingen des Projekts unerlässlich, so Schneider. Und Verkaufschef Arne Bergmann verkündete euphorisch, dass die Erwartungen an Admeira so hoch seien wie der Zürcher Prime Tower. Weltweit sei dieses Projekt einzigartig. 

Mauern oder Windmühlen

Ums Umdenken – dem Hauptmotiv von Admeira – ging es in der anschliessenden Keynote-Präsentation «Changing your Perspective» von Jonathan MacDonald, einem international gefragten Referenten, Autor mehrerer Bücher und Berater grosser internationaler Unternehmen. Auf unterhaltsame Weise präsentierte er in seinem Referat in typisch amerikanischer Manier neue Denkweisen und wirksame Tools, die helfen könnten, trotz ständiger Veränderung Chancen für die Erfolgssteigerung zu erkennen und wahrzunehmen.

Die Message war klar: Admeira ist die real-existierende Umsetzung dieser Philosophie. Und MacDonald leistete den geistigen Unterbau. Wenn der Wind komme, zitierte MacDonald ein jahrhundertaltes Sprichwort, kann man Mauern oder Windmühlen bauen. Er bevorzuge das Zweite.

De Weck würde das Zusammengehen von Goldbach mit Tamedia begrüssen

Dramaturgisch geschickt endete der Kundenevent mit den drei Initatoren von Admeira, Ringier-CEO Marc Walder, SRG-Generaldirektor Roger de Weck und Swisscom-Boss Urs Schaeppi, die in dieser Konstellation noch nie öffentlich aufgetreten sind. Marc Walder meinte einmal mehr, dass dieser Zusammenschluss der einzig gangbare Weg sei, um der internationalen Konkurrenz entgegenzutreten.

Reichweite, Daten und Kreativität seien das Erfolgsrezept von Admeira. Daneben betonte er nochmals, dass die Werbeplattform für andere Interessenten offen sei. Ausdrücklich lobte Walder Medienministerin Doris Leuthard für ihre offene Medienpolitik. «Admeira ist ein innovatives Projekt und keine Blackbox", so der Ringier-CEO.

Scharf ging er mit den Schweizer Medien ins Gericht: Die Berichterstattung gegen Admeira sei «kein Ruhmesblatt für den Schweizer Journalismus». Die Konkurrenzverlage – und da attackierte er direkt die Tamedia – hätten mit Konzernjournalismus das Projekt verhindern wollen. Von 250 Artikeln seien 87 Prozent «krass negativ» gewesen.

SRG-Generaldirektor Roger de Weck nahm den Faden auf. Auf die Frage von Moderator Britschgi, was er zu den Übernahmegerüchten von Goldbach durch die Tamedia meine, erklärte de Weck, dass er dies – sollte dies irgendwann zutreffen – begrüssen würde. Nur so entstehe ein richtiger Wettbewerb. Daneben lobte der SRG-Generaldirektor ausdrücklich den Werbeauftraggeberverband SWA, der als einziger Fachverband dem Projekt vorbehaltos positiv entgegenstehe. Im weiteren zeigte sich de Weck zuversichtlich, dass das UVEK das Verbot der zielgruppenspezifischen TV-Werbung für die SRG fallen lassen werde, sobald dies ausländische Sender auch anbieten würden.

Folgen der Service-Public-Initiative

Swisscom-CEO Urs Schaeppi meinte abschliessend, dass nicht die Daten sondern deren Handhabung des Wertvolle seines Unternehmens seien. Die Tamedia, so Schaeppi, verfüge auch über sehr viele gute Daten, deren Offenlegung man auch verlangen könne. Leider unterliess es Moderator Britschgi, der trotz der nicht ganz einfachen Ausgangslage - er arbeitet bei Ringier - seine Aufgabe souverän meisterte, eine Frage nach der Service-Public-Initiative.

Eine Annahme würde nicht nur die Swisscom, sondern höchstwahrscheinlich auch Admeira vor neue, unerwartete Probleme stellen. Doch von der grossen Politik hat man beim neuen Medienunternehmen vorerst wohl genug. Und so widmete man sich lieber dem reichhaltigen Buffet mit vielen Bündner Spezialitäten, die – und dies war wohl der tiefere Sinn – an den rätoromanischen Namen der neuen Firma erinnern sollten. Dem Zufall, das wurde nach dem ersten Kundenevent klar, überlässt man bei Admeira wirklich nichts.



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