30.08.2017

Ringier

Marc Walder sieht schwarz

«Es wird blutig werden», lässt sich Marc Walder im «Handelsblatt» vom Mittwoch zitieren. Eine Quersubventionierung für den Journalismus über andere Bereiche ist für den 52-jährigen Ringier-CEO keine Option.
Ringier: Marc Walder sieht schwarz
2008 wurde er Chef von Ringier Schweiz; seit 2012 ist er CEO der gesamten Ringier-Gruppe: Marc Walder. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

E-Commerce, Künstler- und Sportvermarktung, Ticketing und Marktplätze – hier sieht Marc Walder eine wirtschaftliche Zukunft für Ringier. Für die Zeitungen und Zeitschriften des Verlages wird es schwierig.

Dass für den Journalismus ein Geschäftsmodell fehlt, hatte er auch schon erwähnt, etwa vor Jahresfrist beim Swiss Media Forum 2016 in Luzern. Wie düster er die Lage mittlerweile sieht, zeigt ein Interview vom Mittwoch mit dem «Handelsblatt». Weil die Werbeeinnahmen kontinuierlich zurück gehen, habe die Branche «enorm schwierige Jahre» hinter sich, aber: «Die schwierigsten Jahre stehen noch bevor», so Walder.

Der Ringier-CEO lässt verlauten, dass er keinen Sinn darin sieht, den taumelnden Journalismus mit Quersubventionierung durch andere Unternehmensbereiche am Leben zu erhalten. Eine Publikation in einem Medienunternehmen müsse mittelfristig mindestens eine schwarze Null schreiben, damit sie eine Daseinsberechtigung habe. «Ich halte nichts von Quersubentionierung – ausser, Sie sind ein Mäzen», gibt Walder zu Protokoll.

Seine Prognose: Solche Mäzene werde es künftig weitere geben. Zudem werde in Europa und den USA in den nächsten Jahren noch einmal eine heftige Konsolidierungsphase kommen. «Es wird blutig werden. Kleine Verlage werden sich in die Arme von grösseren retten, einige Zeitungen werden nur noch jeden zweiten Tag erscheinen, andere werden schliessen. Die geniale Pressevielfalt, die wir hatten, wird unter die Räder kommen». 

Ringier werde diese düstere Zeit überstehen, und zwar so: «Unser Unternehmen strebt eine möglichst geringe Abhängigkeit vom Journalismus an. Wir suchen neue Formen von Kooperationen». Als Beispiel nennt Walder Admeira. 

Das Mediengeschäft bleibe «prägend». Und zwar «für die Wahrnehmung von Ringier». 



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Kommentare

  • Markus Schöberl, 31.08.2017 14:33 Uhr
    Es ist legitim mit ganz schwarzer Brille auf das Geschäftsmodell Journalismus zu schauen. Aber wer den Kampf darum aufgegeben hat, der ist kein geeigneter Verlagsmanager. Und wenn er die Freiheit hat, sein Unternehmen zu einem beliebigen E-Commerce-Konglomerat umzugestalten, dann ist sein Gesellschafter kein Verleger. Herr Walder sieht schwarz, andere Verlagsmanager (heute in Horizont zum Beispiel der Digitalchef der deutschen FAZ) sehen 'die beste Zeit' für journalistische Geschäftsmodelle noch kommen. Ausführlicher kommentiere ich Herrn Walders Aussagen hier: https://www.xing.com/news/insiders/articles/marc-mag-s-blutig-900996?xng_share_origin=web
  • Beat Zbinden, 02.09.2017 22:30 Uhr
    Sind das die Zukunftsperspektiven eines CEO? Auswechseln!
  • Robert Weingart, 04.09.2017 17:05 Uhr
    Man kann auch gleich forfait geben. Walder hat wie viele andere Verlagsmanager schlicht und einfach keine Idee, wie man mit Journalismus noch Geld verdienen kann. Als Medien-CEO ist er deshalb fehl am Platz. Darum soll er doch die Branche wechseln, vielleicht mal mit Lebensmitteln, Waschmitteln oder Pfannen versuchen. Da braucht er keine Lösungen. Es ist natürlich einfacher, branchenfremd zu wachsen.

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