23.07.2017

Tamedia

Mitarbeiter protestieren gegen Vertragsänderung

Das Zürcher Medienhaus hat eine Änderung in der Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall angekündigt. Die Personalkommissionen sehen darin eine Verschlechterung und mobilisieren zum Protest. Jedoch: Wer die Änderung nicht akzeptiert, erhält eine Änderungskündigung.
Tamedia: Mitarbeiter protestieren gegen Vertragsänderung
Eine angekündigte Kürzung der Lohnfortzahlung stösst einigen der betroffenen Tamedia-Mitarbeitern sauer auf. (Bild: Tamedia)
von Christian Beck

«Ihr habt alle … das Schreiben der Tamedia erhalten, in welchem eine Verschlechterung der Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall angekündigt wird», schreiben die Tamedia-Personalkommissionen (Pekos) an die Mitarbeitenden. «Es ist ein Auswuchs der Sparmassnahmen auf Kosten von kranken Mitarbeitern», ergänzt ein Betroffener gegenüber persoenlich.com.

Bisher war die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in den einzelnen Gesellschaften von Tamedia unterschiedlich geregelt. «Nun wird die Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall für alle Mitarbeitenden vereinheitlicht. Das führt bei einem Teil zu leicht schlechteren, bei einem anderen Teil zu besseren Leistungen», sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage.

Neu werden in den ersten 30 Tagen 100 Prozent, zwischen dem 31. und 180. Tag 90 Prozent und dann bis zum 730. Krankheitstag 80 Prozent des Bruttolohns ausbezahlt. «Da Krankentaggelder nicht sozialversicherungspflichtig sind, ist die effektive Lohneinbusse bei einer Arbeitsunfähigkeit auch bei denjenigen Mitarbeitenden, für die das neue Modell eine leichte Verschlechterung darstellt, bei etwa 2,5 Prozent bis 180 Tage gering», so Zimmer weiter. Bei einer noch längeren Abwesenheit bewege sich die Lohneinbusse zwischen 1,5 Prozent bis maximal 11,5 Prozent.

Stillschweigende Zustimmung

Die Pekos finden das Vorgehen von Tamedia «ziemlich dreist», wie es im Schreiben, das persoenlich.com vorliegt, heisst. «Für eine Vertragsverschlechterung benötigt die Arbeitgeberin die explizite Zustimmung der Mitarbeitenden, blosses Stillschweigen genügt rechtlich praktisch nie», heisst es da. Zimmer hält dagegen: «Eine stillschweigende Annahme ist zulässig, da wir die Mitarbeitenden mittels persönlichem Brief und weiteren Massnahmen informiert haben. Die Mitarbeitenden können Einspruch erheben. Es wird ihnen das Recht der Möglichkeit, sich gegen die Anpassung zu wehren, auf keine Art und Weise eingeschränkt.»

Pekos


Genau hier liege jedoch der Hund begraben, finden die Pekos. «Im Schreiben ist von Einzelgesprächen die Rede für jene, die mit der Kürzung nicht einverstanden sind und davon, dass diese mit einer Kündigung rechnen müssen.» Unrecht haben die Pekos da nicht. Das Ziel von Tamedia seien einheitliche Anstellungsbedingungen für alle Mitarbeitenden, so Zimmer. «Unser HR wird die Anpassungen den Mitarbeitenden, die damit nicht einverstanden sind, im Detail erläutern. Sollte auch nach einem Gespräch keine Einigung möglich sein, würde der gesetzlich vorgesehene Weg über eine Änderungskündigung eingeschlagen.» Dabei werde den Mitarbeitenden, nach Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist, die Möglichkeit angeboten, das Arbeitsverhältnis unter den geänderten Bedingungen weiterzuführen.

Pekos fordern zum Protest auf

In einem Schreiben haben die Personalkommissonen der Tageszeitungen in der Deutschschweiz ihre Bedenken zur geplanten Änderung der Lohnfortzahlung geäussert. Den Erhalt dieses Schreibens bestätigt Christoph Zimmer. Zudem haben die Pekos den Mitarbeitenden einen Musterbrief verschickt, um sich gegen das Vorgehen seitens Tamedia zu wehren. «Es haben sich mehrere dutzend Mitarbeitende gemeldet, die Zahl der Rückmeldungen liegt im einstelligen Prozentbereich», sagt Zimmer.

Noch bis Ende Juli laufe die Einsprachefrist. Die Pekos warnen: «Es geht jetzt vor allem darum, die Sache aufzuhalten und zu verhindern, dass die Tamedia ihr Vorhaben mitten in der Ferienzeit durchdrücken kann.» Zimmer bietet an: «Falls jemand wirklich den ganzen Monat Juli abwesend sein sollte und sich erst danach melden kann, werden wir darauf aber natürlich trotzdem eingehen.» Ab August werde die Abteilung HR mit allen Mitarbeitenden Kontakt aufnehmen, welche sich gemeldet hätten.



Newsletter wird abonniert...

Newsletter abonnieren

Wollen Sie Artikel wie diesen in Ihrer Mailbox? Erhalten Sie frühmorgens die relevantesten Branchennews in kompakter Form.

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

  • Dieter Widmer, 24.07.2017 07:55 Uhr
    Ich verstehe den Protest nicht ganz. In tausenden Unternehmen in der Schweiz gilt diese Lohnfortzahlungsregel.
  • Armin Keusch-Walter, 27.07.2017 10:37 Uhr
    Eine Änderungskündigung ist im Grunde nichts anderes als eine Erpressung. Ich erinnere mich, dass der "Tagi" schon vor Jahren einen Auslandkorrespondenten auf diese Weise nötigte, seine Urheberrechte an den Verlag abzutreten (heute bei Tamedia Norm). Das ist die "Erlkönig-Methode" im "sozialen" Umgang mit Mitarbeitern: "Und bist du nicht willig..."
  • Beat Grolimund, 28.07.2017 08:17 Uhr
    Journalist friss oder stirb; die Eigentümer wollen Kohle!
  • Hanspeter Kurzweil, 29.07.2017 16:25 Uhr
    Der "Tages-Anzeiger" war auch jenes Unternehmen, dessen Pensionskasse bis vor einigen Jahren die Hälfte der Arbeitgeberbeiträge für sich behielt, wenn jemand die Zeitung vor der Pensionierung verliess. Erst, als man durch ein Gesetz dazu gezwungen wurde, änderte man an der Werdstrasse diese personalfeindliche Praxis.
  • Moritz Lang, 02.08.2017 14:45 Uhr
    Unanständig! 2015 erwirtschaftete Tamedia einen Reingewinn von 334 Mio. CHF, CEO Christoph Tognini erhielt einen Bonus von 6 Mio. CHF. Im letzten Jahr betrug der Reingewinn 122 Mio. CHF.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige
Zum Seitenanfang