18.10.2017

Fünf-Jahres-Vergleich

So schwinden die Leser über die Jahre

Eine Interpretation der Wemf-Leserschaftszahlen über fünf Jahre hinweg zeigt: Ausser der «Wochenzeitung» konnte kein einziger der untersuchten Titel zulegen. Die Kurve zeigt bei allen nach unten. Verloren, wenn auch auf hohem Niveau, hat auch «20 Minuten».

Nach den Leserschaftszahlen der Wemf Mach Basic von letzter Woche interessiert eine Langzeitübersicht. Darum haben wir einige Titel ausgewählt und einen Media-Profi um eine Auswertung gebeten.

Das Resultat zeigt die Leserentwicklung von «Tages-Anzeiger», «Neue Zürcher Zeitung», «Blick», «20 Minuten», «Blick am Abend», «SonntagsZeitung», «NZZ am Sonntag», «SonntagsBlick», «Luzerner Zeitung», «St.Galler Tagblatt», «Berner Zeitung», «NZZ Folio», «Das Magazin», «Wochenzeitung» und «Weltwoche» über die letzten fünf Jahre, analysiert von Urs Schneider im Auftrag von persoenlich.com:

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In den letzten fünf Jahren haben alle hier untersuchten Tageszeitungen Reichweite eingebüsst. Am stärksten ist der Leserschwund beim «Tages-Anzeiger», welcher seit 2013 rund 100’000 Leserinnen und Leser verloren hat. Etwas treuer blieb das Publikum den regionalen Tageszeitungen «Aargauer Zeitung», «Berner Zeitung», «Luzerner Zeitung», «St. Galler Tagblatt» und der «Basler Zeitung». Sie alle haben im aktuellen Jahr rund 20’000 weniger Leserinnen und Leser als 2013. Zeitweise stark nach unten zeigte die Kurve bei der «Südostschweiz»: Nachdem der Titel zwischen 2013 und 2014 die Leserschaft fast halbiert hat, bleibt diese seither stabil auf über 150’000.





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Auch bei der überregionalen Tagespresse zeigt die Leserschaftskurve im Fünf-Jahres-Vergleich tendenziell nach unten. Die meisten Leserinnen und Leser verloren hat der «Blick». Waren es 2013 noch über 700’000, erreicht das Boulevardblatt aktuell über 200’000 Menschen weniger. Erstmals fällt die Reichweite des «Blick» unter die 500’000-Limite. Weniger dramatisch, aber dennoch einschneidend ist der Leserschwund bei der «Neuen Zürcher Zeitung». Innert fünf Jahren hat der Titel rund 50’000 Leserinnen verloren und erreicht laut den neusten Zahlen 247'000 Leser.

 


 

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Bei den Sonntagstiteln verlieren alle drei der hier ausgewählten Titel. Laut Mach Basic erreicht der «SonntagsBlick» mehr als 250'000 Leser weniger als noch vor fünf Jahren. Er liegt nun gleich auf mit der «SonntagsZeitung». Die «NZZ am Sonntag» und die «SonntagsZeitung» haben beide etwa gleich viele Leser weniger als noch 2013. Die NZZaS erreicht aktuell 405'000, die SoZ aktuell 581’000 (siehe Mach Basic 17-02 persoenlich.com berichtete). 

 

 



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Bei den vier ausgewählten Magazinen fällt auf, dass die «Wochenzeitung» noch immer gleich viele Leser erreicht wie 2013, ja so gar leicht mehr. Die «Weltwoche» und das «Folio» verloren beide je rund 50'000 Leser, wobei das «Folio» Stand 2017 fast doppelt so viele Leser erreicht wie die «Weltwoche». Letztere fiel bei der jüngesten Auswertung erstmals unter die 200'000er-Marke. Das «Magazin» zählt rund 100'000 Leserinnen weniger als 2013.




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Kommen wir zum Vergleich der beiden Deutschschweizer Gratistitel: Zwar hat das Tamedia-Pendlerblatt «20 Minuten» mit fast doppelt so vielen Leserinnen und Lesern ganz klar die Nase vorn. Die beiden Zeitungen zeigen jedoch die gleiche Tendenz. Wobei sich «20 Minuten» auch konsolidieren könnte: Seit Mitte 2016 sind die Zahlen stabil.

 




Die Fünf-Jahres-Interpretation macht deshalb Sinn, weil die Unterschiede zu den Werten vor 2013 nicht vergleichbar sind. Damals hatte die Wemf bei der Messung eine Systemumstellung vorgenommen.

Die Befragung für die jüngste Publikation, die Mach 2017-2, welche am 2. Oktober veröffentlicht wurde (persoenlich.com berichtete), fand vom April 2016 bis März 2017 statt. Befragt wurden 19'048 Personen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein.



Text: Edith Hollenstein und Michèle Widmer; Grafiken: Urs Schneider

 



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Kommentare

  • Andreas Häuptli, 18.10.2017 07:34 Uhr
    Leider hinkt der Vergleich, die E-Paper wurden nicht in die Betrachtung einbezogen: Gleiches Produkt, anderer Kanal. Die Wemf-Total-Audience-Studie gäbe einen kompletteren und zeitgemässeren Eindruck: Durschnittlich generieren die Titel rund einen vViertel Ihrer Gesamtreichwrite online.
  • Ueli Custer, 18.10.2017 09:44 Uhr
    Die E-Paper leisten nach wie vor keinen entscheidenden Beitrag zur Leserschaft. Bestenfalls ist sie um ein Zehntelprozent höher als die der Printversion. Die Total Audience zeigt zwar, dass die Angebote eines Titels grundsätzlich immer noch sehr gut genutzt werden. Nur nützt das den Werbetreibenden nicht viel, da sich Print und Website nicht in adäquater Weise buchen lassen.
  • Rolf Bollmann, 18.10.2017 10:51 Uhr
    Wo bleiben die linkspopulistischen Journalistenstimmen und Witzfiguren von anderen Medienfachzeitungen die Jahr für Jahr den Markus Somm von der BaZ als grössten Leservernichter der Geschichte diffamieren? In diversen Artikeln, Diskussionsrunden, gebetsmühlenartig, seit Jahren, immer wieder, immer wieder. Schuld ist natürlich das politische Gedankengut von Somm, behaupten die selbsternannten Medienexperten!,, Und wer verantwortet die noch viel grösseren Leserverluste bei der NZZ, beim Tagesanzeiger, beim Blick usw usw. Ist dort auch der Markus Somm der Sündenbock? Oder vielleicht eher die Chefredaktoren der viel schlimmeren Verlierertitel? Dummerweise wären es dann die gleichen Stimmen, die jeweils Markus Somm abschätzig für die Leserverluste der BaZ an den Pranger stellen - sie selber aber die grössten Versager sind!
  • Thomas Kundert, 18.10.2017 13:22 Uhr
    Der 5-Jahres-Vergleich bei der "Südostschweiz" hinkt: Die Zusammensetzung der "Südostschweiz Gesamtausgabe" im Jahr 2013 - mit verschiedenen Partner-Zeitungen in der Innerschweiz, im St. Galler Rheintal und Liechtenstein - ist mit der "Südostschweiz" ab 2014 nicht zu vergleichen. Der damalige Rückgang der Leserschaft von 245'000 Leser (2013) auf 164'000 Leser (2014) ist ausschliesslich auf die neue, kleinere Zusammensetzung zurückzuführen. Dieser Rückgang entspricht zudem nur rund 33 Prozent. Von einer Halbierung der Leserschaft kann keine Rede sein. Seit 2014 sind die Leserzahlen stabil: 2017 weist die MACH Basic für die "Südostschweiz" wie vor 3 Jahren 164'000 Leser und rund 50% Reichweite im Erscheinungsgebiet aus.
  • Fred David, 18.10.2017 20:36 Uhr
    @Rolf Bollmann: Jedenfalls haben alle 3 Publikationen BaZ, Wewo, NZZ, die einen stringenten Rechtskurs fahren, mit dem Argument, das rechte politische Spektrum käme publizistisch zu kurz, beträchtliche Verluste zu verzeichnen, obwohl sie doch ein angeblich vernachläsigtes publizitisches Vakuum füllen. Da ist offenbar gar kein zusätzliches Potenzial. Das beruhigt doch irgendwie. Der Tages-Anzeiger und andere fahren auch Verluste ein, aber es lässt sich schwerlich behaupten, die führen einen stringenten Linkskurs und sie würden deswegen abgestraft. Sonst müsste ja der Rivale NZZ entsprechend davon profitieren. Ist aber nicht.Vergleichsmasstab für die BaZ sind eher die Regionalblätter AZ und Tagblatt mit leicht steigender Tendenz, aber ohne zwanghafte Ideologiespritzen, dafür aber mit einem vergleichsweise übersichtlichen verlegerischen und finanziellen Hintergrund.
  • Oliver Brunner, 19.10.2017 10:29 Uhr
    @David: "stringenter Rechtskurs" wirklich? Oft wiederholt wird es nicht wahrer. Nur weil der Tagi nach eigenen Angaben "Publizsitik nicht mehr als Kerngeschäft ansieht" ist nicht alles, was nicht Blog, People-Geschichten und Ansammlung von Twitter-Meldungen sind "rechts". Es sind einfach Alternativen zu "ohne Kurs", aber nicht die einzigen.
  • Fred David, 19.10.2017 15:18 Uhr
    @Oliver Brunner: Warum immer so viel Hemmungen, sich als Rechte zu bezeichnen. Ist doch keine Krankheit, die man verheimlichen müsste. Ein meinungsbildendes Medium muss nicht zu allem eine klare Position beziehen, sonst ist es ideologisch, berechenbar und daher langweilig. In Zweifelsfällen ist aber ein klarer Positionsbezug notwendig und auch von Lesern/Nutzern erwünscht. Und diese Zweifelsfälle häufen sich in letzter Zeit. Insofern bin ich ganz bei Ihnen: "ohne Kurs" ist Larifari. Aber dauernd hämmernd auf dem gleichen ideologisch militanten Kurs zu dampfen (und zwecks Kosmetik mal die eine oder andere skurrile Abweichung zuzulassen) führt früher oder später ins Abseits. Medien müssen die Mächtigen pisaken und kritisieren. Das ist ihre Aufgabe. Und die Macht steht hierzulande nun einmal rechts: Seit 169 Jahren wird die Schweiz ununterbrochen von einer bürgerlich-rechten absoluten Mehrheit in Parlament und Regierung regiert und von dem mächtigen Teil der Wirtschaft alimentiert. Wer das kritisch beobachtet, gilt dann ganz rasch als links. Tut aber nicht weh. Und behaupten Sie bloss nicht, das Rechts-links-Schema gebe es doch gar nicht mehr.
  • Ueli Custer, 20.10.2017 14:54 Uhr
    Hier die konkreten Fakten bezüglich des prozentualen Verlustes an Reichweite in den letzten 5 Jahren: Blick: -36,3% Blick am Abend: -29,9% Weltwoche: -27,1% Tages-Anzeiger und Basler Zeitung: -20,1% NZZ: -17,3% 20 Minuten: -16,7% Zürcher Regionalzeitungen inkl. Landbote: -14,4% Berner Zeitung: -14,0% Nordwestschweiz: -8,2% Keine signifikanten Verluste: Bieler Tagblatt, Walliser Bote, Schaffhauser Nachrichten, Freiburger Nachrichten. Die Werte von Südostschweiz, St. Galler Tagblatt und Luzerner Zeitung sind wegen der zwischenzeitlich veränderten Zusammensetzungen nicht vergleichbar.
  • Michael M. Maurantonio, 24.10.2017 12:15 Uhr
    Da ja bekanntlich nicht "alle" Zeitungen, Zeitschriften lesen, wäre es doch interessanter (für Planer/Strategen auch wichtiger), wie sich die Titel in den einzelnen Alterssegmenten entwickelt haben. Die Gratis-Blättchen verlieren konstant bei ihren "Kern-Zielgruppen". NZZ macht bei 20-29 keine schlechte Falle (gutes Marketing?) und die Blick-Titel verlieren auf ganzer Breite. Für Kunden, die ihren TKP, TLP auf Zielgruppen messen und benchmarken, ein gefundenes Fressen für die kommenden Jahresverhandlungen. Zudem, was nützen mir 10% mehr Leser, wenn es sowieso die Falschen sind? Also: nicht jammern, sondern beweisen, dass Werbekunden durchaus noch Geld Dank einer Anzeige verdienen können. Planning based on expected (or measured) effect = consumer centric. Simples Touchpoint-Audit. Eigentlich...

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