23.10.2016

Tamedia

Sparmassnahmen auch in Zürich

Nach dem Stellenabbau in der Westschweiz und bei der «Berner Zeitung» wird Tamedia auch beim «Tages-Anzeiger» und der «SonntagsZeitung» umfassende Sparmassnahmen umsetzen. Die Redaktionskosten sollen um 12 Prozent reduziert werden müssen.
Tamedia: Sparmassnahmen auch in Zürich
Vor allem das Ausland-Ressort ist betroffen: Am Firmenhauptsitz an der Zürcher Werdstrasse befinden sich die Redaktionen von Tagi und SoZ. (Bild: Tamedia)

Details zu den Sparplänen beim Tagi und der SoZ sollen demnächst kommuniziert werden. Wie die «Schweiz am Sonntag» in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt (Text online nicht verfügbar), sollen die Redaktionskosten um 12 Prozent reduziert werden müssen. Grundlage dazu sei eine umfassend ausgebaute Kooperation mit der «Süddeutschen Zeitung» (SZ).

Vor allem Ausland betroffen

Statt wie bis anhin die Übernahme von SZ-Artikeln einzeln zu vergüten, hätten sich die Tamedia-Titel mit der SZ auf einen Flatrate-Vertrag geeinigt. Der Vertrag erlaube den Tamedia-Titeln künftig, gegen eine jährliche Pauschalzahlung von «deutlich über einer Million Franken»  beliebig viele SZ-Inhalte zu übernehmen.

Im Gegenzug werde intern massiv gespart. Betroffen seien allen voran die Ausland-Ressorts, aber auch Gesellschaft, Wissen und Kultur. Ressortverantwortliche wurden intern bereits über Budgetkürzungen informiert. Auch Stellen sollen gestrichen werden, so die «Schweiz am Sonntag».

Nur noch drei eigene Korrespondenten

Die Zeitung schreibt, dass von den 14 Auslandkorrespondenten, die teilweise bereits heute mit der Redaktion der «Süddeutschen Zeitung» geteilt werden, nur drei eigene Korrespondenten für «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» übrig bleiben sollen.

Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer und Chefredaktor Arthur Rutishauser nehmen dazu in der «Schweiz am Sonntag» keine Stellung. Rutishauser sagt lediglich, ein Ausbau der Partnerschaft mit der SZ sei in Prüfung, unterschrieben sei aber noch nichts.» (eh)



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Kommentare

  • Heinz Gisler, 23.10.2016 23:42 Uhr
    Die Schweizer Presse wird ausgedünnt. Die Umstände sind klar, aber den Willen, guten Journalismus und interessante Reportagen zu erbringen fehlt mir, ist dato nicht zu erkennen. Man überlässt es den 2 Gratiszeitungen zu prosperieren. Es braucht Berichte und Bilder und auch umfassende Hintergrundinformationen, die man mehrmals zu Gemüte führen kann u n d will. Ich freue mich auf DIE spannende Lektüre während der Woche und am Wochenende.
  • Stefan Bircher, 24.10.2016 09:18 Uhr
    Man wird sehen, ob die SZ-Artikel bearbeitet werden oder nicht. Aber je nachdem wie stark Deutschland-lastig sie sind, lohnt es sich in der Schweiz nicht sie zu lesen. Auch die Tagi-Webseite hat in letzter Zeit massiv abgenommen, seit es vermehrt Artikel auf dem 20Min-Niveau hat. Listicals, Soft-Sex-Berichte, etc... Ich war jetzt wohl seit 4 Wochen nicht mehr auf Tagi Online und es geht mir gut. :-)
  • glancy mueller, 24.10.2016 10:57 Uhr
    das einzig positive an dem deal ist, dass der partner die sz ist. mit abstand eine der klügsten zeitungen europas. allerdings könnte man auch gleich das original abonnieren.
  • Robert Weingart, 25.10.2016 07:47 Uhr
    Traurig. Es scheint, als ob dieser Konzern nicht mehr konsequent auf selber produzierten Journalismus setzen will - eine ausgedünnte Auslandredaktion? Diese Branche scheint den Bach runter zu gehen, bedenkt man, dass die BaZ Wirtschaftsartikel vom Tagi übernehmen wird. Kompetenz auf der Redaktion vorhanden zu haben scheint nicht mehr gefragt zu sein. Die Verlagsmanager drehen dabei das Rad in die falsche Richtung, denn der Leser könnte es nicht goutieren und ergo die Zahlenspirale nach unten in Gang setzen. Ein klassisches Eigengoal wäre das Reesultat, wenn es dumm läuft, was zu erwarten sein dürfte.
  • Peter Mollet, 25.10.2016 09:28 Uhr
    Es war einmal ein "Tages-Anzeiger" - es war! Da bleibt am Ende wohl nur noch die NZZ - oder wir abonnieren gleich deutsche Zeitungen. Totgespart ist auch gespart. Der Supino-Coninx-Clan wird zur - hoffentlich einträglicheren - Sterbehilfe-Organisation.
  • Teresa Salerno , 25.10.2016 16:45 Uhr
    Wie ich das richtig verstehe, baut die Tamedia einmal mehr Stellen ab, ruft die Xte Sparmaßnahme auf kosten der Mitarbeiter aus und hat obendrein kein Interesse daran im eigenen Haus guten und fundierten Journalismus egal ob Print oder Online, Journalismus zu betreiben und zu fördern? Investiert aber für eingekaufte Geschichten 1 Million Franken???? Ist das nicht schon fast psychotisch?
  • Arthur Meyer (Tages-Anzeiger-Redaktor von 1969 bis 1988), 25.10.2016 18:59 Uhr
    Unter dem alten Otto Coninx konnte Chefredaktor Walter Stutzer Ende der 1960er und in den 1970er Jahren aus dem faden Zürcher Anzeigenblättli eine europäische Tageszeitung von Rang machen. Dafür baute er ein Inland-Korrespondentennetz mit "Redaktoren im Aussendienst" (so der damalige Titel) in allen Regionen der Schweiz (Bern, Aarau, Chur, St. Gallen, Lausanne, Lugano) auf und verdichtete das Netz eigener Auslandkorrespondenten. Nachfolgende Coninx-Generationen gehen den entgegengesetzten Weg und setzen immer stärker auf nackte, kurzfristige Profitmaximierung. Die mühsam aufgebauten journalistischen Strukturen und Leistungen werden Schritt um Schritt zurückgenommen. Zweit- und drittrangige Chefredaktoren vollziehen willig, was man ihnen von oben an "Sparübungen" diktiert. Am Ende ist man wieder dort, wo man schon einmal war: bei einem faden Allerweltsblättli ohne eigene journalistische Ausstrahlung. Die Coninx-Erben glauben anscheinend, dass dieses auch so sein Geld für die Tantiemen der Milliardärsfamilie abwirft. Wenn nicht, so hat man inzwischen ja genügend andere Standbeine aufgebaut und kann auf das einstige "Flaggschiff" ganz verzichten.

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