08.10.2012
Matthias Ackeret
Kein anderes Medium hat sich mehr gegen die Berliner Mauer gestemmt, wie die "Bild"-Zeitung. Doch dies ist längst Vergangenheit. Deswegen mutet es ein bisschen grotesk an, dass sich ausgerechnet "Bild" für eine neue Mauer stark macht: der Paywall im Internet. Es kann doch nicht sein, verkündete "Bild"-Chefredaktor Kai Diekmann, dass man alle Inhalte kostenlos abgibt. Und so müssen die User von Bild.de, des grössten deutschen Nachrichtenportals, schon ihren Obulus zahlen.
Zugegeben, der historische Vergleich hinkt, ist deswegen aber nicht falsch. Das kostenlose Internet ist der endgültige Sieg des Sozialismus. Die Verlage produzieren für viel Geld aufwändige Inhalte, die sie kostenlos an das Volk verteilen. Mehr noch: sie schaffen ein publizistisches Monster, welches ihre bislang rentablen Printprodukte gnadenlos konkurrenzieren. Mehr Selbstkannibalismus geht nicht.
Es ist Fakt, dass sich die hochgesteckten Erwartungen an die Onlinewerbung überhaupt nicht erfüllt haben. Die Verlagshäuser verdienen ihr Geld bis auf weiteres im lange verschmähten Print. Und so planen hierzulande das Newsnetz der Tamedia oder Ringier für ihre Newsportale schon bald Zahlschranken. NZZ.ch hat bereits diese Woche diesen Weg gewählt. Ein kleines Problem bleibt: Lässt sich das kostenpflichtige Internet überhaupt durchsetzen, solange andere Portale – wie beispielsweise "20 Minuten" oder auch die SRG – ihre Inhalte weiterhin gratis abgeben? Hat sich im Netz nicht schon längst die Devise „Geiz ist ganz geil“ durchgesetzt? "Bild"-Chef Kai Diekmann nimmt diese Fragen ernst. Er hat sich jetzt für ein Jahr nach Amerika abgesetzt. Um die Geheimnisse des Internets zu ergründen.
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: Die Mauer muss her!