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: Osterappell für die Werber

So viel Zustimmung gibt es für die Herrschenden sonst nur in Nordkorea. Eine soeben publizierte Readers-Digest-Studie zeigt: Über die Hälfte der Schweizer hat in den Bundesrat «starkes Vertrauen». Damit erreicht unsere Regierung doppelt so viel Anerkennung wie diejenigen anderer europäischer Länder. Und selbst Roger Schawinski, seit dem Pizzo Groppera kampferprobt gegen die Obrigkeit, übte sich in der letzten «SonntagsZeitung» in den Superlativen: «Der beste Bundesrat seit langem.» So weit, so gut. Viel erschreckender sind die letzten Plätze der Readers-Digest-Studie. Weit abgeschlagen findet sich am andern Ende – und dies wohl hinter den Autolobbyisten, Journalisten, Metzgern, Jägern, Autorasern, SVP und den unvermeidlichen Bankern – die Werbebranche. Im Gleichtakt mit der Europäischen Union, was in heutigen Zeiten auch kein Trost mehr ist. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Der Schweizer vertraut zwar Widmer-Schlumpf und Schneider-Ammann, unsere Werbe-Ikonen aber haben jeglichen Bonus verspielt. Höchstwahrscheinlich erreichen nur Pädophile und die Camorra noch weniger Zustimmung. Das sind nicht die Ostergeschenke, die man mag. Zumal 20'000 Schweizer ihr Geld dank der Werbung verdienen. Rund 3'000 Agenturen überziehen das ganze Land. Allein im letzten Jahr wurden fast 5 Milliarden Franken für Werbung ausgegeben. Doch gerade die lautstarke Kritik am grellroten Zürcher Sunrise-Tram zeigt, wie wenig Verständnis die Schweizer für Werbeaktionismus haben. Die wortlose Zustimmung der Bevölkerung zu den Werbebeschränkungen für Alkohol oder Zigaretten tut den Rest. Die Werbebranche kann zwar vieles, aber keine Werbung für sich selbst. Begünstigt wird dieser Umstand durch die hohe Anzahl banaler und auch mutloser Kampagnen. Zwar hat der Verband der Schweizer Werbung mit dem Tessiner Ständerat Fillipo Lombardi einen eigenen Lobbyisten in Bern installiert, doch seine Mission ist schwierig. Ohne Werbung, so der lautstarke Appell dieser Kolumne, würde vieles unendlich teurer: das Tramfahren in Zürich, der Fernsehkonsum, aber auch die Sonntagslektüre. Also: Beachten Sie die abgedruckten Inserate! Mehr noch: Verzehren Sie sie wie Ostereier! Oder wollen Sie am Ende wirklich nordkoreanische Verhältnisse? Eine geliebte Regierung – und rundherum alles werbefrei.
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