25.03.2013
Matthias Ackeret
Zugegeben es ist ärgerlich, aber ich habe die Story des Jahres verpasst: die Metamorphose der SP-Nationalrätin Jacqueline Badran zur Zürcher Weltberühmtheit. Und dies, obwohl ich auch Gast jener Radio-1-Geburtstagsparty war, als die resolute Sozialdemokratin in einem Zürcher In-Club von einem stämmigen Türsteher am Rauchen gehindert und anschliessend rauskomplimentiert wurde. Tröstlich nur, dass die anderen anwesenden Journalisten auch nichts davon mitbekommen haben. Man lerne: Was man nicht sieht, existiert auch nicht. Einzige Ausnahme: "Weltwoche"-Journalist Alex Baur, der seine Zigarette sofort ausdrückte, und in den Saal zurückkehrte. Hätte Frau Badran ihre Erlebnisse nicht impulsiv hinausgetwittert: Die Welt hätte eine Hammergeschichte verpasst und Baur wäre von Badran niemals als "feiger Spiesser" attackiert worden. Wofür sie sich anschliessend entschuldigt habe.
Was lernen wir? Manchmal sind die kleinen Ereignisse die ganz Grossen.
Jacqueline Badran hat einen Flugzeugabsturz überlebt, wirklich gefährlich war aber ihr Gerangel mit einem Zürcher Türsteher. Alex Baur kehrte soeben aus dem strahlenverseuchten Fukushima zurück, unsterblich wurde er aber durch einen schnellen Abgang. Roger Schawinski hat fünf Jahre lang mit Radio 1 auf Qualität gesetzt. Die ganz grossen Schlagzeilen generiert sein Sender aber erst jetzt: Mit viel Rauch um nichts.
Und der Türsteher? Auch sein Weltbild kollabierte innert kürzester Zeit: Wer sich so unflätig wie Frau Badran benehme, wunderte sich der Hühne gegenüber dem Tagi, müsse eigentlich für die SVP politisieren.
Vielleicht war es für uns Journalisten wirklich besser, dass wir nicht alles gesehen haben.
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: Viel Rauch um nichts