Der deutsche Justizminister Heiko Maas will sexistische Werbung verbieten. Der Grund: die Silvesterübergriffe in Köln. Dank diesem Verbot – so glaubt der SPD-Mann – könne in Deutschland ein «modernes Geschlechterbild» etabliert werden. Als wären die ausländischen Gewalttäter bislang als ausgesprochene Werbefreaks und Medienkonsumenten aufgefallen.
Konkret: in Zukunft wird Calida in unserem nördlichen Nachbarland mit Winterpullis werben und H&M rekrutiert seine Models aus dem Altersheim. Die Werbung – so zeigt sich immer mehr – muss als Sündenbock für alle gesellschaftlichen Fehlentwicklungen hinhalten: sei es Rauchen, Trinken, Fettleibigkeit, Kleinkredite oder multikulturelle Spannungen. Das ist – und dies schreibe ich als überzeugter Nichtraucher - heuchlerisch.
Doch allmählich schwappt diese Entwicklung in die Schweiz. Mit verheerenden Wirkungen für einen Branche von über 20'000 Arbeitnehmern und fünf Milliarden Jahresumsatz, die bereits jetzt schon massiv unter den Sparübungen und dem digitalen Umbruch leidet. Auch hat der Druck der Auftraggeber gegenüber den Agenturen massiv zugenommen, Stichwort: «Salt» und «Schweiz Tourismus». Beim morgendlichen Durchblättern zeigt sich: Viele Schweizer Zeitungen haben bereits das kommunistische Ideal erreicht, sie sind weitgehend inseratefrei.
Anstatt die Werbeindustrie aber zu fördern, wird sie verdammt. So versuchte Bundesrat Berset ein schweizweites Verbot von Zigarettenwerbung durchzusetzen. Ansonsten ist Berset liberal: vor allem beim hochsubventionierten Filmschaffen. Auch Heiko Maas ist nicht prüde: im Fall Böhmermann pocht er auf die künstlerische Freiheit. Aber verdammt nochmals, warum prügelt er dann auf die Werbung ein?
Wie «Bild» unlängst berichtet, habe der deutsche Justizminister seine Familie wegen einer attraktiven Schauspielerin verlassen. Obwohl diese Bemerkung – um in seiner Terminologie zu bleiben – «äusserst geschlechterdiskriminierend» ist.



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Matthias Ackeret: Werbung, nein danke!