Wegen einer Panne wurden für die SVP, die Mitte und die FDP zu hohe Wähleranteile angegeben. Auf die Verteilung der 200 Nationalratssitze und die kantonalen Resultate haben die Panne und ihre Korrektur keine Auswirkungen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Mittwoch mitteilte. Folgen hat die Korrektur aber für die Rangliste der Parteistärken: Die FDP bleibt entgegen den früheren Angaben drittstärkste politische Kraft im Land.
Betroffen waren importierte Daten aus den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und Glarus. Die Stimmen der dort angetretenen Parteien SVP, Mitte und FDP wurden drei- bis fünffach gezählt. Entsprechend wurden den drei Parteien zu viele Stimmen zugeschlagen und ihre Wähleranteile zu hoch angegeben.
Schuld sei eine fehlerhafte Programmierung, sagte BFS-Direktor Georges-Simon Ulrich in Bern vor den Medien. Er sprach von einem menschlichen Fehler im Datenimportprogramm und entschuldigte sich im Namen des BFS dafür.
Das für die Übermittlung der Daten aus den Kantonen zum Bund verwendete System sei zum ersten Mal angewendet worden. Das am Wahlsonntag erstmals eingesetzte System sei gebaut worden, um schneller zu sein, um Echtzeitinformationen zu liefern.
Die Datenmenge sei übersichtlich gewesen, da das Programm aber automatisiert ablaufe, seien die Fehler von Auge nicht sichtbar gewesen, führte die zuständige Sektionschefin Madeleine Schneider aus. Ohne Automatisierung sei man sehr viel langsamer. Das sei nicht der Wunsch der Bevölkerung.
Streben nach Standardisierung
Es handle sich um die grösste Panne seit den Neunzigerjahren, sagte Schneider auf die Frage einer Journalistin. Die drei betroffenen Kantone hätten ihre Daten korrekt übermittelt, aber mit einem anderen System als die übrigen Kantone. Sie haben je einen Nationalratssitz.
Es gebe Bestrebungen, die verschiedenen Übermittlungsprogramme zu standardisieren, damit alle Kantone Daten künftig gleich übermittelten, sagte Ulrich. Wegen des Föderalismus schickten die Kantone Daten aus ihren eigenen Systemen.
Der Fehler wurde bei Qualitätskontrollen nach dem Wahltag festgestellt. Bundespräsident Alain Berset, Chef des zuständigen Departements des Innern, ordnete nach der Bestätigung des Fehlers umgehend eine Administrativuntersuchung an.
Das BFS will die Prozesse «in diesem sensiblen Statistikbereich» anpassen. Dazu gehöre zum einen eine umfassendere automatisierte Plausibilitätsprüfung der Berechnungen. Zum andern will das BFS am Wahltag mehr Kontrollpersonal einsetzen und Abläufe und der Kontrollmodalitäten integral überprüfen. (sda/cbe)