In zwei Monaten geht das in den USA populäre Videostreaming-Portal Netflix auch in der Schweiz auf Sendung. Das kalifornische Unternehmen nannte den Termin am Montag bei der Vorlage der Geschäftszahlen fürs Halbjahr. Zeitgleich startet Netflix in Österreich, Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg.
Netflix hat mit seinem Videostreaming-Abo den Fernsehmarkt in den USA aufgemischt und zählt dort mittlerweile auf 35,1 Millionen zahlende Kunden. Ausserhalb der Vereinigten Staaten sind es weitere 12,9 Millionen, vor allem in Kanada und Lateinamerika. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen mehr als 48 Millionen Kunden in mehr als 40 Ländern.
In Europa ist Netflix seit 2012 in Grossbritannien, Irland und Skandinavien vertreten. Netflix hatte im Mai den Start in der Schweiz und den anderen Ländern angekündigt, ohne allerdings ein genaues Datum zu nennen. Zum Preis der Angebote äusserte sich das Unternehmen in der Geschäftsmitteilung nicht. In den USA gibt's ein Monatsabo, mit dem man uneingeschränkt Serien und Filme schauen kann, ab 7,99 Dollar.
Streaming boomt
Netflix war 1997 gestartet. Zunächst trumpfte das Unternehmen mit einem DVD-Verleih per Post auf, mit dem Aufkommen schneller Internetverbindungen vollzog sich ab 2007 der Schwenk zum Streaming. Netflix gilt als weltweit grösster Anbieter von Filmen und Serien im Internet.
Zuletzt machte Netflix mit selbst produzierten Serien wie «House of Cards» und «Orange Is the New Black» Furore. Bestehende Konkurrenten sind Amazon, Maxdome oder Watchever.
Mit Argus-Augen beobachtet
In der Schweiz beobachten die hiesigen Anbieter Netflix mit Argusaugen. Die Swisscom, die mit ihrer Tochter Teleclub Marktführerin bei Video on Demand ist, zeigt sich bereit für den Konkurrenzkampf.
Noch dieses Jahr prüfe man Pauschalangebote (sog. Flatrates) für Filme, Serien und Dokumentationen, hatte Teleclub-Geschäftsleitungsmitglied Willy Heinzelmann vor einem Monat im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda gesagt. Details gab er aber nicht preis.
Im letzten Jahr riefen Swisscom-Kunden ingesamt 8,8 Millionen Filme sowie Sport-Ereignisse ab. Das sind laut Unternehmensangaben 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Zurzeit umfasst das Swisscom-Angebot rund 6400 Filme, Dokumentationen und Musikvideos. Auch in diesem Jahr rechne Teleclub erneut mit einem Wachstum im zweistelligen Bereich, sagte Heinzelmann.
Schweizer Anbieter zuversichtlich
Die Kabelnetzbetreiberin UPC Cablecom sieht Netflix auch als Chance. «Als Anbieter von einer schnellen Internetverbindung können wir davon profitieren, dass unsere Kunden mehr Daten übers Internet abrufen», hatte Sprecher Roland Bischofberger unlängst gesagt. Die Einführung einer Flatrate für Filme sei zur Zeit nicht geplant, aber für die Zukunft nicht ausgeschlossen.
Ebenfalls positiv sieht der Chef des Schweizer Film-Anbieters Hollystar, Eric Grignon, die Ankunft von Netflix. Hollystar, die gemäss eigener Einschätzung die Nummer vier in der Schweiz ist, werde vom Boom der Filme auf Abruf profitieren, den Netflix auslösen werde.
Dies habe sich in Skandinavien gezeigt, wo VoD-Anbieter wie Netflix, HBO und Viaplay einen Schub ausgelöst hätten, so Grignon. Bereits erfolgreich hat sich die ausländische Konkurrenz hierzulande etabliert. Apple ist laut Einschätzung von Grignon bereits die Nummer zwei in der Schweiz hinter der Swisscom.
Wachstum von über einem Viertel
Die jüngsten Zahlen des Marktforschungsunternehmens Media Control zum Umsatz im Heimvideogeschäft zeigen den Trend hin zu Filmen auf Abruf und Downloads deutlich. Während der Umsatz mit DVDs im letzten Jahr gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent schrumpfte, wuchs das Geschäft mit Filmen auf Abruf und zum Herunterladen um 26 Prozent.
Allerdings steuerten die physischen Discs DVD und Blue-Ray mit insgesamt 212 Millionen Frnaken noch immer vier Fünftel des Gesamtumsatzes bei. Mit Filmen auf Abruf und Downloads setzte die Branche erst 46 Millionen Franken um. (sda)
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