Pro Minute werden auf YouTube weltweit über 500 Stunden Videomaterial hochgeladen – eine eindrückliche Zahl, welche die Bedeutung der Google-Tochter unterstreicht. Davon ist ein grosser Teil urheberrechtsrelevant, was YouTube vor grosse Herausforderungen stellt: Wie sorgt die Plattform dafür, dass das Copyright von Big Playern, beispielsweise aus der Musik-, Film-, Kino- und Medienbranche, nicht missbraucht wird? YouTube gewährte zu diesem Thema Einblicke anlässlich eines Medienevents in Zürich in den Google-Räumen an der Europaallee, an dem zehn Journalistinnen und Journalisten teilnahmen.
«Für diese Grossunternehmen, deren Inhalte unzählig oft hochgeladen werden, mussten wir eine vollautomatisierte Lösung finden», sagte Fabio Magagna, Global Product Lead von YouTube. 2007 wurde das System eingeführt, das den Namen Content ID trägt. Seither ist es mehrmals erweitert und weiterentwickelt worden.
Content ID funktioniert so: Ein Rechteinhaber lädt seine urheberrechtsrelevanten Video- und Audiodateien als Referenzmaterial in eine Datenbank von YouTube hoch, woraus «digitale Fingerabdrücke» generiert werden. Seit der Einführung des Systems haben sich über 80 Millionen Referenzdateien in der Content-ID-Datenbank angesammelt. Das Video- und Audiomaterial entspricht einer Dauer von insgesamt 600 Jahren.
Ein Wandel hat stattgefunden
Die Datenbank gleicht die «digitalen Fingerabdrücke» schliesslich mit den hochgeladenen Videos ab. Kommt es zu einem Treffer, gibt es primär zwei Möglichkeiten: Entweder kann eine Löschung des Videos beantragt* werden oder der Rechteinhaber kann Einnahmen geltend machen, indem eine Anzeige im Videoumfeld geschaltet oder eine Umsatzbeteiligung mit dem Uploader vereinbart wird. Die dritte Option ist das Beobachten der Userzahlen, was gemäss Magagna aber selten genutzt wird. «Über 98 Prozent aller Urheberrechtsfälle laufen mittlerweile über Content ID», sagte er zur Bedeutung des Systems.
Die Option, Einnahmen zu erzielen, hatte bis im November 2018 Auszahlungen von über 3 Milliarden US-Dollar zur Folge. Magagna hat denn auch einen Wandel bei den Rechteinhabern festgestellt: «Viele sind davon weggekommen, Löschungen von Inhalten zu beantragen. Sie haben erkannt, dass ihr Kerngeschäft mit der Löschung kürzerer Videoclips nicht kannibalisiert, sondern durch die hohe Reichweite gefördert wird.»
Content ID kann nur genutzt werden, wenn verschiedene Kriterien erfüllt sind. Zwei zentrale Punkte sind die Wiederverwendung der Inhalte und das Know-how zum Thema Copyright, wie Magagna sagte: «Einerseits ist entscheidend, wie oft die Videos eines Rechteinhabers auf YouTube hochgeladen werden. Andererseits, inwiefern er Wissen zum Urheberrecht hat – ob das Unternehmen beispielsweise über eine Copyright-Abteilung verfügt.» Die Gründe für diese Einschränkungen liegen auf der Hand: «Für Rechteinhaber, deren Videos wenig wiederverwendet werden, wäre das Schaffen eines solch vollautomatisierten Systems unverhältnismässig», sagte Magagna.
*Wenn ein Rechteinhaber Anspruch an einem hochgeladenen Inhalt erhebt, kann der betroffene User Widerspruch einlegen. Dem Rechteinhaber bleiben dann 30 Tage Zeit, darauf zu reagieren. Dabei hat er mehrere Optionen: Den Anspruch zurückziehen, ihn reaktivieren, eine Löschung des Inhalts beantragen oder die Frist verstreichen lassen, womit die Forderung verfällt. Wird der Anspruch reaktiviert, kann eine Beschwerde eingelegt werden. Details dazu finden Sie unter diesem Link.