Brüssel will innerhalb der EU die nationalen Grenzen bei der Internet-Nutzung einreissen. Die EU-Kommission habe am Mittwoch grundsätzlich beschlossen, das sogenannte "Geoblocking in der EU abzuschaffen", sagte EU-Vizekommissionspräsident Andrus Ansip bei der Vorstellung von Schwerpunkten für einen digitalen Binnenmarkt in Europa.
Das sogenannte Geoblocking verhindert, dass beispielsweise Live-Übertragungen von bestimmten Fussballspielen, dass Spielfilme oder Musikstreams für Nutzer aus anderen Ländern zugänglich sind. Solche Einschränkungen müssten dringend abgeschafft werden, verlangte Ansip. Menschen müssten sich "im Netz ebenso frei über Grenzen hinweg bewegen können wie in der Wirklichkeit."
Ausnahmen beim Geoblocking werde es voraussichtlich aber weiterhin geben, wenn nationale Gesetzgebung dies vorschreibe, räumte Ansip ein und nannte als Beispiel Online-Glücksspiele.
Auch das Einkaufen im Internet über Ländergrenzen hinweg müsse einfacher werden, forderte der aus Estland stammende Vize-Kommissar. Derzeit kaufen laut EU-Kommission nur 15 Prozent der Konsumenten online Waren aus anderen EU-Staaten. Hohe Versandkosten sind nach Ansips Einschätzung einer der Gründe, warum dieser Anteil nicht höher ist. Zum Vergleich: 44 Prozent kauften bei Online-Shops in ihrem Heimatland ein.
Ansip kündigte auch Reformen beim Urheberrecht an. Menschen müssten leichter Zugang zu Kulturgütern erhalten, gleichzeitig müssten aber die Rechte von Künstlern und Autoren geschützt werden. (sda)