Demnach konsumieren immer mehr Mädchen industriell hergestellte Pornografie. Der Anteil erhöhte sich zwischen den Jahren 2010 und 2020 von 16 auf 27 Prozent. Bei Jungen hingegen ist ein rückläufiger Trend zu beobachten: Konsumierten im Jahr 2010 noch 73 Prozent Pornografie, waren es zehn Jahre später noch 57 Prozent.
«Wir gehen davon aus, dass Konsumpräferenzen immer weniger mit Geschlechterrollen, sondern mehr mit persönlichen Vorlieben zusammenhängen», liess sich Co-Studienleiter Gregor Waller von der der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in einer Mitteilung vom Dienstag zitieren.
Die Pornoindustrie reagiert auf diese Trends und produziert denn auch immer mehr sogenannte «female friendly» Filme, bei denen weniger Stereotype von Frau und Mann gezeigt werden, wie es in der Mitteilung heisst. Zudem zeigte sich, dass auch der Einsatz von selbst produziertem, erotischem Bildmaterial bei Mädchen enttabuisiert wird.
Ständige Erreichbarkeit
Wenig erstaunlich ist das Smartphone bei immer mehr Jugendlichen ein ständiger Begleiter. Nutzten 2010 noch knapp die Hälfte das Smartphone täglich oder mehrmals die Woche, waren es 2020 praktisch alle (99 Prozent).
Über Messenger-Dienste und soziale Medien tauschen sich die Jugendlichen rege aus, was laut den ZHAW-Medienpsychologen aber auch eine negative Seite mit sich bringt: die ständige Erreichbarkeit, der nie aufhörende Kommunikationsfluss sowie ein fortlaufender Dokumentationszwang des eigenen Lebens durch Fotos und Videos. So bräuchten Jugendliche neue Kompetenzen, um die stärkere Vernetzung in der digitalen Welt gewinnbringend in das eigene Leben zu integrieren.
Während sich beim Sport und bei der Verfügbarkeit von Zeitungs- und Zeitschriften-Abos eine sozioökonomische Kluft zeigt, ist diese bei der Nutzung von sozialen Netzwerken nicht sichtbar: Weil es finanziell nichts kostet, ein Profil bei Instagram oder TikTok zu erstellen, spielt Geld keine Rolle. Bezahlt werde mit persönlichen Daten, die in allen sozialen Schichten verfügbar seien, so die Experten. (sda/cbe)