Das Internet- und Beratungsunternehmen Firegroup hat die Social-Media-Auftritte der 50 wichtigsten Schweizer Detailhändler analysiert. Obwohl Social-Media wie Facebook, Twitter, Youtube und Co. nicht mehr aus der modernen Unternehmenskommunikation wegzudenken seien, gehe die Mehrheit der Schweizer Detailhändler noch unbehofeln damit um. So erzielen die Schweizer Detailhändler in der Firegroup-Studie durchschnittlich nur 55 von möglichen 100 Punkten.
Besonders hapert es in den Branchen Einrichtungen, Sportartikel, Apotheken und Drogerien sowie Baumärkte, die durchschnittlich alle weniger als 50 Punkte erreichen. "Die Social-Media-Strategien vieler Schweizer Detailhändler überzeugen leider noch nicht", stellt Firegroup-Geschäftsführer Samuel Manz fest. "Die Detailhändler müssen sich beeilen, solange sie noch auf den Zug aufspringen können. Denn der Aufbau einer aktiven Internet-Community ist zeitintensiv."
Migros top, Aldi Flop
Gold holt sich Migros mit 93.4 von 100 Punkten, gefolgt von Ikea (87.4 Punkte) und Digitec (81.5 Punkte). Die bestplatzierten Detailhändler überzeugen auf ihren Social-Media-Kanälen nicht zuletzt durch ihre aktive Interaktion mit den Konsumenten eine Stärke, die vielen anderen Schweizer Detailhändlern fehlt. "Coop kommuniziert über Social-Media vor allem via Coopzeitung und liegt zwar immerhin auf dem sechsten Platz, aber doch deutlich hinter der Hauptkonkurrentin Migros zurück", so Firegroup-Analyst Christian Schaer.
Bei den internationalen Unternehmungen mit Schweizer Sitz können vor allem diejenigen Firmen punkten, die auf eine länderspezifische Social-Media-Strategie für Schweizerinnen und Schweizer setzen. Dazu gehören neben der Zweitplatzierten Ikea auch Newcomer Zalando und Lidl. Spar bewegt sich bloss im Mittelfeld, während Aldi praktisch ohne Social-Media-Aktivitäten weit abgeschlagen rangiert.
Online-Versand hat Nase vorn
Der Online-Versand führt die Branchenrangliste an, wobei Digitec innerhalb der Kategorie am besten abschneidet. Allgemein zeichnet sich der Online-Versand durch eine breite Nutzung verschiedener Social-Media-Kanäle und die Bereitschaft aus, auch neue Social-Media-Plattformen wie Google+ zu nutzen. Eine verhältnismässig hohe Social-Media-Affinität verfügt darüber hinaus der Buch- und Medienhandel. Danach folgen die Branchenkategorien Bekleidungen, Spielzeuge, Elektronik, Lebensmittel. Weniger als die Hälfte der möglichen Punktzahl erzielten hingegen die Branchen Einrichtungen, Sportartikel, Apotheken und Drogerien sowie Baumärkte.
Facebook: Wichtigster Social-Media-Kanal
Facebook ist die zentrale Social-Media-Plattform. 44 der 50 untersuchten Schweizer Detailhändler verfügen denn auch über ein eigenes Facebook-Profil. Allerdings haben sieben der in der Schweiz präsenten 17 internationalen Unternehmungen darunter Aldi, H&M, Tchibo und Esprit keine Schweizer Facebook-Präsenz und nehmen diesbezüglich wenig bis gar keine Rücksicht auf Schweizer Kunden. Bezüglich Facebook-Auftritt schneiden Manor, Migros, Thalia und Ikea am besten ab.
Schweizer Detailhändler zwitschern unbeholfen
Mit Twitter kommunizieren die untersuchten Schweizer Detailhändler deutlich unbeholfener als auf Facebook. 18 der 50 untersuchten Unternehmen verfügen nicht einmal über einen Twitter-Account. Am besten schneiden bei Twitter Digitec und Ex Libris ab, gefolgt von Brack Electronics und Migros. Dass sich Twitter für eine etwas andere Zielkundschaft als Facebook eignen kann, beweist der Online-Händler Digitec, der auf Twitter nach eigenen Angaben eine Technik-affine Kundschaft anspricht.
Wenig Interaktion auf Google+, Youtube und Linkedin
Das relativ neue Netzwerk Google+ bedienen rund die Hälfte der untersuchten Detailhändler, allerdings nur 17 Unternehmen mehr oder weniger aktiv. 35 Unternehmen nutzen Youtube, 27 von 50 Unternehmen haben einen LinkedIn-Account. Sowohl bei Youtube als auch bei LinkedIn fehlt eine Interaktion mit den Nutzern weitgehend.
Website und Mobile-Apps: Viel Aufholbedarf
Auch die firmeneigenen Websites und Mobile-Apps sind bei den meisten Detailhändlern nur ungenügend interaktiv angelegt. Erstaunlich auch die Absenz von guten Online-Shops: Nur 33 Unternehmen verfügen über einen Online-Store, und nur 23 Unternehmen über ein umfassendes Sortiment. Auch im Bereich Mobile besteht noch viel Aufholbedarf: Mobile-optimiert sind nur 12 Websites. Auf dem Podest stehen im Bereich Website Migros, Thalia und Orell Füssli, im Bereich Mobile-Apps Ex Libris, Migros und Pfister. (pd)