Schon Dreijährige sind handysüchtig

YouTube und Co - Experten warnen: Smartphones und Tablets haben auch bei kleinen Kindern ein Suchtpotenzial.

Animationsfilme im Netz sind bei kleinen Kindern beliebt. Doch die digitalen Zeitvertreiber bergen Risiken, wie die SonntagsZeitung berichtet. «Heute sind schon Dreijährige von YouTube und Netflix abhängig», sagt Joachim Zahn, Leiter des Vereins Zischtig, der Eltern und Kinder im Umgang mit den digitalen Medien schult. Die neue Herausforderung sei «nicht mehr nur das Gamen, sondern der Kinderkanal auf diesen Videoplattformen.»

Rund 160 Elternabende führen Zahn und seine 14 Mitarbeiter jedes Jahr an Schulen in der ganzen Deutschschweiz durch. Bei Zahn in der Beratung melden sich Mütter und Väter, deren Kinder ohne Videofilm das Essen verweigern. «Dann rufen sie uns an und wollen wissen: Wie lange kann ich mein Kind hungern lassen? Es isst nicht mehr ohne YouTube.»

Andere suchten Hilfe beim Elternnotruf, weil das Kind um sich schlägt, tobt und schreit, wenn es auf Bilderentzug gesetzt wird. Smartphones und Tablets hätten «ganz klar ein Suchtpotenzial», sagt Kindergärtnerin Ursina Zindel, Präsidentin des Verbands Kindergarten Zürich. Anlaufstellen für Eltern spüren die Verunsicherung vieler Eltern. Es gebe eine «wachsende Besorgnis», sagt Arlette Rutschmann von der Mütter- und Väterberatung der Stadt Zürich. «Die Anfragen zu den digitalen Medien nehmen zu.»

Medienexperte Joachim Zahn hat bereits reagiert. «Wir führen dieses Jahr mehr Schulungen in Kindergärten durch.» (pd/cbe)