Swiss Films hat in einer neuen Längsschnittstudie europäische Video-on-Demand-Plattformen nach Schweizer Filmen und Serien durchleuchtet. Die Analyse basiert auf Daten des European Audiovisual Observatory (EAO) und zeigt: Der europäische Streaming-Markt verzeichnet ein rasantes Wachstum mit Zuwachsraten von 20 bis 25 Prozent pro Jahr. Schweizer Produktionen profitieren davon jedoch nur begrenzt, heisst es in einer Mitteilung, die persoenlich.com exklusiv vorab vorliegt.
Am 1. Januar 2025 registrierte das European Audiovisual Observatory (EAO) insgesamt 836 Video-on-Demand-Plattformen in Europa – 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Verfügbarkeit schweizerischer Filme stieg deutlich moderater: Auf 166 europäischen Plattformen ausserhalb der Schweiz waren 867 unterschiedliche Schweizer Filme und majoritäre Koproduktionen abrufbar. Das entspricht einem Anstieg von lediglich 6 respektive 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Amazon führt bei Schweizer Inhalten
Amazon dominiert das Angebot an Schweizer Filmen auf europäischen Plattformen. Der US-Konzern führt sowohl bei kostenpflichtigen Einzelabrufen (TVOD) mit 313 Titeln als auch bei Abo-Modellen (SVOD) mit 172 Titeln über Amazon Prime Video. Bei den Serien liegt Netflix mit 17 Staffeln vorn, gefolgt von Canalplus und Amazon Prime Video.
iTunes, Google Play und YouTube folgen Amazon bei den TVOD-Angeboten. Im kostenlosen Bereich (FVOD) führt der Bibliotheken-Streamingdienst Filmfriend mit 53 Schweizer Titeln.
Klassiker dominieren, neue Filme fehlen
Das Ranking der meistvertretenen Schweizer Titel blieb seit 2022 weitgehend stabil. «Il senso della bellezza» (Amka Films), «Madame» (Lambda) und «El tiempo nublado» (Cineworx) sowie «Almost There» (Hugofilm Productions) führen die Verfügbarkeitsstatistik an. Der Animationsfilm «Ma vie de courgette» (Rita Productions) ist weiterhin häufig verfügbar.
Bei den Serien hält die Trickfilmserie «Pingu» den Spitzenplatz. Deutschschweizer Produktionen wie «Neumatt», «Der Bestatter», «Wilder» oder «Tschugger» sind stark vertreten, während Westschweizer Serien auf frankophonen Plattformen ausserhalb der Schweiz wenig präsent sind.
Aktuelle Schweizer Filme sind auf europäischen Plattformen kaum zu finden. Lediglich acht Titel mit Schweizer Beteiligung aus dem Jahr 2024 waren zum Stichtag verfügbar, darunter «Le procès du chien» (Bande à part Films) und die Schweizer Oscar-Eingabe «Reinas» (Alva Film). Erst drei bis sieben Jahre nach der Produktion steigen die Chancen für eine Verfügbarkeit in europäischen VOD-Katalogen.
Geografische Verteilung ungleichmässig
Schweizer Filme sind in allen europäischen Ländern abrufbar, mit besonders hoher Verfügbarkeit in den Nachbarländern und Grossbritannien. In Deutschland, einem wichtigen Markt für Schweizer Filme, sind 341 Titel über SVOD, 280 über TVOD und 131 über FVOD verfügbar.
Bei Serien zeigt sich ein anderes Bild: In Osteuropa, den Benelux-Ländern und Italien waren zum Stichtag keine Schweizer Serien verfügbar. Österreichische Plattformen weisen die höchste Verfügbarkeit auf, während Frankreich auffallend wenige Schweizer Serien anbietet.
Die Studie basiert auf Daten der Lumiere VOD-Datenbank des European Audiovisual Observatory und analysiert die Verfügbarkeit zu drei Stichtagen zwischen 2022 und 2025. Angaben zu Abrufen oder Einnahmen sind nicht enthalten. (pd/cbe)