Schweizer Softwarebranche setzt auf Vertrauen und KI

SSIS - Die Schweizer Softwareindustrie organisiert Arbeit zunehmend dezentral und flexibel. Gleichzeitig verdoppelt sich die KI-Nutzung – doch die Gewinne bleiben unter Druck.

Zürich – Flache Hierarchien, Eigenverantwortung und eine ausgeprägte Vertrauenskultur prägen die Arbeitsweise in Schweizer Softwareunternehmen. Das zeigt der aktuelle Swiss Software Industry Survey (SSIS) der Universität Bern, für den 463 Firmen aus 20 Kantonen befragt wurden.

Viele Unternehmen setzen auf dezentrale Strukturen und räumen ihren Mitarbeitenden grossen Handlungsspielraum ein. Neue Ideen entstehen oft direkt in den Teams. Besonders kleinere Firmen pflegen eine menschenzentrierte Kultur, die auf gegenseitiger Unterstützung und Gemeinschaftsgefühl beruht.

Lohn bleibt Chefsache

Eine Ausnahme bilden Lohnfragen: Diese werden weiterhin traditionell vom Management geregelt. Alain Gut von Swico beobachtet einen verstärkten Fokus auf das mittlere Management – nicht als Rückkehr zu alten Modellen, sondern als notwendige Ergänzung zur Selbstorganisation der Teams.

Über 80 Prozent der Schweizer Softwareunternehmen nutzen 2025 künstliche Intelligenz in der Entwicklung – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Bemerkenswert: Mehr als die Hälfte der Firmen (52,5 Prozent) überlässt den Mitarbeitenden die Wahl der KI-Tools. Bei klassischen IT-Werkzeugen liegt diese Freiheit nur bei 37 Prozent. «Viele Unternehmen befinden sich offenbar in einer Experimentierphase mit KI», schliesst Studienleiter Jens Dibbern von der Uni Bern.

Zufriedenheit steigt, Margen nicht

Während Mitarbeitenden- und Kundenzufriedenheit zunehmen, stagnieren Umsatz und Gewinn. Die durchschnittliche EBIT-Marge liegt 2024 bei 6,4 Prozent – weiterhin unter der Zehn-Prozent-Marke. Für 2025 erwarten die Unternehmen ein Umsatzplus von 4,3 Prozent, für 2026 von 9 Prozent.

Die Mitarbeiterfluktuation ist deutlich gestiegen: von 8,6 auf 15,1 Prozent. Besonders betroffen sind Beratungsfirmen mit einer Rate von 19,8 Prozent. Als Gründe gelten die hohe Mobilität von IT-Fachkräften und das angespannte wirtschaftliche Umfeld.

Positiv entwickelt sich das Exportgeschäft: Der Auslandsumsatz stieg von 7,5 auf 11,1 Prozent. Wichtigster Markt bleibt Deutschland. Die öffentliche Hand ist mit 18,6 Prozent des Branchenumsatzes weiterhin eine verlässliche Auftraggeberin. (pd/nil)