Das hat es noch nie gegeben: Eine private Softwarefirma zerrt gleich mehrere Schweizer Städte vor Gericht. Die Ostschweizer Softwarefirma Abacus wirft St. Gallen, Rapperswil, Wil und Wittenbach vor, ohne Ausschreibungen überteuerte Gemeindelösungen eingekauft zu haben. Das schreibt die Zeitung "Schweiz am Sonntag".
Der Softwareproduzent, der den Schweizer Markt für Finanzbuchhaltungssoftware und Lohnverwaltungslösungen dominiert, hat Anfang Juli Klagen beim Verwaltungsgericht in St. Gallen eingereicht. Zudem hält sich die Abacus offen, weitere Gemeinden zu verklagen, schreibt die "Schweiz am Sonntag".
Das Unternehmen ist der Ansicht, dass alle Gemeinden mit mehr als 4500 Einwohnern zumindest im einfachen Verfahren Softwarebeschaffungen ausschreiben müssten. Die Klagen zielen direkt auf die Konkurrenzfirma VRSG. Dabei handelt es sich um eine IT-Dienstleistungsfirma mit Sitz in St. Gallen, die sich in Besitz der öffentlichen Hand befindet.
Das Gericht muss nun abklären, ob es rechtes ist, wenn Gemeinden unter Umgehung von Ausschreibungen direkt bei dieser Firma Softwareleistungen beziehen. Abacus kritisiert, dass private Softwarelieferanten aus dem Markt für Gemeindelösungen gedrängt würden. Abacus rechnet ausserdem vor dass die Gemeinden, die bei VRSG beziehen, einen "massiv überteuerten" Preis bezahlten. Gemäss eines internen Papiers, sollen die Städte und damit die Steuerzahler jährlich dreimal zu viel bezahlen. (pd)