Herr Lüscher, Yoyo-Test, Zorro-Move, Querpass-Orgie oder Lattencontest – was sagt Ihnen am meisten zu?
(Lacht.) Als Freund des Amateursports lösen bei mir natürlich all diese Ausdrücke Emotionen aus. Am stärksten «Zorro-Move». Der beschreibt eine spezifische Technik im Unihockey. Das weckt Erinnerungen an eine wunderbare Zeit von fast 30 Jahren als aktiver Unihockeyaner.
Sie sagen es: Unihockey begleitet Sie seit Ihrer Kindheit. Woher kommt diese Faszination?
Begonnen hat alles im Primarschulalter. In jeder freien Minute habe ich zusammen mit drei Freunden im Quartier Unihockey gespielt. Danach kam der Eintritt in den lokalen Unihockeyverein. Das Spiel ist schnell und intensiv und für mich ganz wichtig: Es ist eine Teamsportart. Der soziale Kontakt auf und neben dem Spielfeld hat mir immer viel bedeutet.
Und nun möchten Sie Unihockey einer breiteren Masse bekannt machen. Sie lancierten die App «Teamsle», die am Wochenende bei den Playoffs der Männer, Kategorie Kleinfeld, Premiere feierte. Wie lief es?
Es hat in erster Linie grossen Spass gemacht. Natürlich waren wir etwas angespannt. Funktioniert die Technik? Trauen sich die Amateursportler, uns ein Interview zu geben? Heute kann ich sagen, wir sind mit dem Start mehr als zufrieden. Und eines zeigte sich ganz klar: Amateursportler sind in Interviews viel ehrlicher als die Profis, die oft nur ihre berühmten Phrasen von sich geben.
«Unsere Pilotphase nahm nach wenigen Wochen ein abruptes Ende»
Blenden wir kurz zurück: Die Idee zur App hatten Sie, zwei Kollegen halfen Ihnen bei der Umsetzung. Eigentlich wären Sie schon längst bereit gewesen …
Stimmt, aber auch wir wurden von der Pandemie ausgebremst. Unsere Pilotphase 2020 nahm nach wenigen Wochen ein abruptes Ende, da die Unihockeysaison wegen Corona abgebrochen wurde. Wir nutzten die spielfreie Zeit, um die App weiterzuentwickeln, und freuen uns, nun endlich loslegen zu können.
Und nun wird, wie erwähnt, wieder gespielt und Sie konnten die Lancierungsphase starten. Wie möchten Sie die App bekannt machen?
Wir haben uns entschieden, zu Beginn erfahrene Journalistinnen und Journalisten an die Spiele zu schicken. Diese schreiben Matchberichte und interviewen die Amateursportler gleich im Anschluss an die Spiele. Das hat sich – wie erhofft – bereits rumgesprochen in der Unihockeyszene. Je mehr Spiele wir so begleiten, desto grösser die Aufmerksamkeit für unsere App.
Ihre Sportreporter liefern nicht nur Texte, sondern auch Videointerviews. Ist das nicht etwas sehr aufwendig?
Das wäre es vor einigen Jahren noch gewesen. Doch die Handykameras sind heutzutage top. Die Reporterinnen und Reporter können direkt mit der Teamsle-App diese Interviews führen und brauchen kein zusätzliches Kamera-Equipment.
«Menschengemachte News bringen diese Emotionen besser rüber»
Warum brauchen Sie überhaupt so viele Sportreporter? Es ginge einfacher: Bei CH Media verfasst Textroboter «Footomat» automatisiert Berichte über den Amateurfussball (persoenlich.com berichtete). Warum wählen Sie einen anderen Weg?
Ich verfolge das Projekt «Footomat» aufmerksam und finde es grundsätzlich eine spannende Sache. Aber trotzdem bin ich der Auffassung, dass der Sport stark von den Emotionen lebt. Das Gleiche gilt für News über Sport. Und hier bin ich überzeugt, dass menschengemachte News diese Emotionen besser rüberbringen.
Sie betreiben Teamsle mit Ihren Kollegen als Freizeitprojekt. Wollen Sie damit nicht auch Geld verdienen?
In erster Linie ist Teamsle eine Herzensangelegenheit. Darum haben wir bereits viel Zeit in dieses Projekt gesteckt. Aber klar, je grösser die Sache wird, desto kostenintensiver. Wir werden uns nach der Startphase und den darin gewonnen Erfahrungen auf die Suche nach geeigneten Sponsoren machen.
Und was würden diese Sponsoren für eine Gegenleistung erhalten?
(Lacht.) Das gilt es dann auszuhandeln. Die naheliegendste Form ist natürlich eine Präsenz in der App und damit Zugang zu einer ganz klar definierten Zielgruppe. Je nach Sponsor und Art der Kooperation sind auch andere Möglichkeiten denkbar.
Würden auch die Amateurvereine von Sponsoren profitieren?
Unbedingt. Neben der medialen Aufmerksamkeit durch die App wäre es unser Wunsch, künftig im ganzen Land eine Truppe von Teamsle-Reporterinnen und -Reporter zu engagieren. Konkret: Männer und Frauen, die nach ihren eigenen Spielen Matchberichte und Interviews liefern und danach für ihre Arbeit entschädigt werden – finanziell oder sonst wie. Auch das hängt von den künftigen Sponsoren ab.
Sie starten mit Unihockey. Wann kommen weitere Sportarten dazu?
Wir werden merken, wenn es so weit ist. Es gilt, nun erst einmal Erfahrungen in einem kleineren, überschaubaren Rahmen zu sammeln. Wir nehmen Schritt für Schritt.
«Ich würde mich als Teamplayer bezeichnen»
Wir sprechen hier über Amateursport, über die untersten Ligen. Als Journalist haben Sie täglich mit Relevanz zu tun. Hand aufs Herz: Wie relevant ist Amateursport?
Schauen Sie, für ein «Massenmedium» ist relevant, was für die «Masse» relevant ist. Und da sind wir schnell beim Profisport. Wir hingegen haben uns gefragt, was für jeden einzelnen Amateursportler relevant ist. Und das sind eben auch die Spiele, in denen er oder sie eine Rolle spielt. Oder anders gesagt: Für eine Viertliga-Unihockeyspielerin sind News über die 4. Liga ebenfalls relevant. Daher unser Slogan: «Teamsle – News über dich und dein Team».
Beruflich arbeiten Sie bei SRF als Wirtschaftsjournalist, vielen dürften Sie als Moderator von «Eco Talk» oder «SRF Börse» bekannt sein. Welche Eigenschaft aus dem Unihockey nützt Ihnen auch in Ihrem Job?
TV-Journalismus ist Teamsport. Man sieht zwar jeweils nur die Moderatoren oder die Reporterinnen auf dem Bildschirm. Aber dahinter steckt ein grossartiges Team, das zusammen funktionieren muss. Ich würde mich als Teamplayer bezeichnen. Und diese Eigenschaft verdanke ich nicht zuletzt meinen Erfahrungen, die ich als Spieler und Trainer im Unihockey sammeln durfte.