Verein weitet Beratung auf Hass im Netz aus

Fairmedia - Mit Hatehelp gibt es neu eine Anlaufstelle für Erwachsene, die online angefeindet werden. Die Trägerschaft verweist auf eine steigende Zahl von Betroffenen.

Fairmedia hat am Dienstag Hatehelp lanciert. Der gemeinnützige Verein berät seit mehr als zehn Jahren Menschen, die sich von Medien unfair behandelt fühlen. Das neue Beratungsangebot richtet sich nun an Erwachsene, die von digitaler Gewalt betroffen sind. Betroffene können über die Website hatehelp.ch telefonisch oder schriftlich mit dem Beratungsteam Kontakt aufnehmen. Die Beratung ist anonym und vertraulich. Den Aufbau von Hatehelp finanzieren 15 Förderpartner, darunter sechs kantonale Swisslos-Fonds, die Albert Koechlin Stiftung, die Ernst Göhner Stiftung und die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft.

«Die Zahl der Betroffenen digitaler Gewalt steigt. Das hat sich auch bei den Anfragen an uns gezeigt», teilt Geschäftsführer Jeremias Schulthess auf Anfrage von persoenlich.com mit. Ein spezialisiertes Angebot fehle in der Schweiz. Der Verein NetzCourage kündigte im Mai 2026 seine Auflösung an (persoenlich.com berichtete). Erwachsenen blieben bisher die allgemeine Opferhilfe und die Polizei als einzige Anlaufstellen.

Die Erstberatung von Hatehelp ist kostenlos. Für die Folgeberatung wird eine pauschale Kostenbeteiligung von 80 Franken fällig. Möglich sei dies im ersten Jahr dank den Förderpartnern, schreibt Schulthess. Zum Start beraten drei Personen: jemand mit Hintergrund in Psychologie, zwei mit Erfahrung in Medien und Kommunikation. Alle hätten sich spezifisch zu digitaler Gewalt weitergebildet.

Hatehelp berät bei Herabsetzung oder Bedrohung, die über digitale Technologien ausgeübt oder verbreitet wird. Dazu zählen Hassrede, Diffamierung, Cybermobbing oder die Verbreitung intimer Inhalte. Wirtschaftlich motivierte Cyberdelikte wie Kreditkartenbetrug deckt Hatehelp nicht ab. Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Angebote.

Wie viel Hatehelp ausrichten kann, hängt auch von den Plattformen ab. Schulthess: «Tatsächlich ist es oft schwierig, gegen Hass oder Anfeindungen vorzugehen, wenn sich grosse Kommunikationsplattformen offensichtlich nicht um dieses Thema kümmern.» Deren Verantwortung solle politisch geregelt werden.

Am 14. Oktober 2026 beauftragte der Bundesrat das Uvek, bis Juni 2027 die Botschaft zum Gesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen auszuarbeiten. Im Vordergrund steht gemäss Bundesrat der Jugendschutz. Zudem sollen Nutzerinnen und Nutzer den grossen Plattformen alle mutmasslich rechtswidrigen Inhalte melden können. (nil)