Bald dürfte Twitter einer Person gehören – Tech-Milliardär Elon Musk, dem reichsten Menschen der Welt. Am Montag gab der Onlinedienst bekannt, dass er sich mit Musk auf einen Deal geeinigt hat (persoenlich.com berichtete).
Musk hält bereits gut 9 Prozent und es reicht ihm, über die Marke von 50 Prozent zu kommen. Denn anders als bei Google oder dem Facebook-Konzern Meta halten Gründer und Top-Manager bei Twitter keine Aktien mit mehr Stimmrechten, die ihre Kontrolle über die Firma absichern könnten. Twitter und Musk geben sich bis Ende des Jahres Zeit, um den Verkauf abzuschliessen.
Dies scheint aber reine Formsache zu sein, weshalb Schweizer Medienschaffende, Branchenexpertinnen und Satiriker die Übernahme Musks bereits rege kommentierten – natürlich auf Twitter. Eine Auswahl:
Oliver Fuchs, interimistischer Republik-Chefredaktor, machte sich über jene Userinnen und User lustig, die nun so tun, als würden sie Twitter verlassen – nur weil der Dienst nun wie Facebook einer Person gehört. Konkret schrieb er, dass er diese «von einem schwerreichen Soziopathen betriebene Plattform» verlassen werde – mit dem Nachsatz, dass sein Facebookprofil Geschichte sei. Beides ist selbstredend ironisch zu verstehen.
Breaking: Ich habe mich entschieden, diese von einem schwerreichen Soziopathen betriebene Plattform zu verlassen!
— Oliver Fuchs (@oliphox) April 25, 2022
Mein Facebookprofil ist Geschichte.
Ähnlicher Meinung ist Digitalexpertin Sarah Genner, die davon ausgeht, dass aufgrund des Netzwerk-Effekts fast alle Userinnen und User auf Twitter bleiben würden. Zudem erwartet sie eine «kleine Abwanderung» zu Mastadon, das im Gegensatz zur vergleichbaren Plattform Twitter als dezentrales Netzwerk konzipiert ist.
Elon Musk kauft Twitter.
— Sarah Genner, PhD (@sgenner) April 26, 2022
Das erinnert an 2014, als es hiess:
Facebook kauft WhatsApp.
Was ich nun erwarte: eine kleine Abwanderung zu Mastadon. Wie damals zu Threema & Co.
Aber der Netzwerk-Effekt wird sich auch hier durchsetzen. Fast alle werden bleiben.
Keine Option ist diese Alternative für den Satiriker Peter Schneider, wie er mit seinem unverwechselbaren Humor klarmachte:
Ich will nicht auf dieses mastdarm weil ich nicht mal weiss was das ist was soll das alles.
— Peter Schneider (@PSPresseschau) April 26, 2022
NZZaS-Kolumnistin und Satirikerin Patti Basler stand Schneider derweil in nichts nach, indem sie sich über Elon Musk lustig machte:
Andre kaufen sich eine Volière, wenn sie einen Vogel haben. #ElonMuskKauftTwitter
— Patti Basler (@PattiBasler) April 26, 2022
Digitaljournalist Reto Vogt hatte vor einer Woche in einem persoenlich.com-Interview gesagt, weshalb eine Twitter-Übernahme durch Musk «sehr unwahrscheinlich» sei. Dass auch der Chefredaktor von inside-it.ch über sich lachen kann, bewies er mit diesem Tweet:
Die eine Frage zur Übernahme ist aber zügig gealtert. Zum Rest stehe ich nach wie vor. https://t.co/Mp2paDoQhv
— Reto Vogt (@revogt) April 25, 2022
Republik-Journalistin Adrienne Fiechter problematisierte derweil die Übernahme der Plattform durch eine einzige Person. Denn schliesslich sei Twitter für die Nutzerinnen und Nutzer ein öffentliches Diskussionsforum:
Das was für uns als öffentliche Kommunikationsinfrastruktur, Diskussionforum, digitale Polis gilt... in den Händen einer einzigen Person.
— Adrienne Fichter (@adfichter) April 25, 2022
Unklar ist weiterhin, ob Musk die Twitter-Sperre des früheren US-Präsidenten Donald Trump aufheben wird. Fabian Renz, der Bundeshauschef der Redaktion Tamedia, hat zu einer allfälligen Rückkehr Trumps eine klare Meinung:
Musk kann Trump zurückholen. Sonst fällt mir nicht viel ein, wie er Twitter noch schlimmer machen könnte.
— Fabian Renz (@renzfabian01) April 26, 2022
Auch sonst sind nach wie vor viel Fragen offen. Zum Beispiel: Wie wird sich der Dienst, der zu einer Art Nervensystem der Nachrichtenbranche wurde, als Musks Privatbesitz verändern? Wer kann sicherstellen, dass Musk Twitter nicht für seine geschäftlichen Interessen einspannt? Wird man ohne die Transparenz von Börsenberichten überhaupt erfahren, wie Twitter sein Geld verdient und ob das Geschäft läuft?
Mit Material von Keystone-SDA.