Wie Schweizer Jugendliche KI nutzen

JamesFocus-Bericht - 71 Prozent der Schweizer Jugendlichen nutzen bereits KI-Tools. Die aktuelle ZHAW-Swisscom-Studie zeigt: Die Einstellung zur neuen Technologie variiert stark nach Alter, Geschlecht und Wohnort.

Über zwei Drittel der Schweizer Jugendlichen nutzen bereits KI-Tools. Mädchen und Jugendliche aus ländlichen Regionen stehen der Technologie skeptischer gegenüber als Jungen und Stadtbewohner, zeigt die aktuelle ZHAW-Swisscom-Studie.

Laut dem neuesten JamesFocus-Bericht haben 71 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in der Schweiz bereits mindestens einmal KI-Anwendungen genutzt. Die Nutzungsrate steigt mit dem Alter deutlich an: Während bei den 12- bis 13-Jährigen nur etwa die Hälfte KI nutzt, liegt der Anteil bei den 18- bis 19-Jährigen bei 84 Prozent. Für die repräsentative Studie wurden 1183 Jugendliche aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin befragt.

Die Ergebnisse zeigen, dass Jugendliche KI-Technologien vor allem zur Informationsbeschaffung einsetzen, während der Unterhaltungsaspekt eine untergeordnete Rolle spielt. ChatGPT ist dabei das mit Abstand am häufigsten genutzte Tool, gefolgt von «My AI» von Snapchat und Microsofts Copilot. Insgesamt wurden 67 verschiedene KI-Anwendungen genannt.

Vorsichtiger Optimismus statt Euphorie

Die Einstellung der Jugendlichen zur künstlichen Intelligenz variiert je nach Lebenswelt. ZHAW-Forscher und Co-Studienleiter Gregor Waller stellt fest: «Die meisten stehen der Technologie vorsichtig optimistisch gegenüber. Sie sind nicht bedingungslos euphorisch, sondern reflektiert.» Auffällig sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede: Mädchen bewerten KI signifikant negativer als Jungen.

Auch der Wohnort beeinflusst die Haltung: Jugendliche aus urbanen Regionen zeigen eine grössere Offenheit gegenüber KI als ihre Altersgenossen auf dem Land. ZHAW-Forscherin Jael Bernath erklärt diesen Unterschied: «Während städtische Jugendliche wohl stärker mit KI-Technologien in Kontakt kommen, zeigen Gleichaltrige auf dem Land eine höhere Naturverbundenheit.»

Die Studie empfiehlt, Jugendlichen den Zugang zu KI-Technologien zu ermöglichen und sie zu einem reflektierten Umgang zu befähigen. Im Bildungskontext sei besondere Aufmerksamkeit geboten, damit sich Leistungsunterschiede durch KI nicht vergrössern. (pd/cbe)