Die Dating-App Blinq ermöglicht es Nutzern, Profile von anderen Usern anzuschauen und zu entscheiden, ob Interesse an der Person besteht oder nicht (persoenlich.com berichtete). Bekunden zwei Nutzer gleichzeitig ihr Interesse, kommt es zu einem "Match" – die Chatfunktion wird freigeschaltet. Nun warten die beiden Gründer Alex Zimmermann und Jan Berchtold mit einem neuen Feature auf: Durch InstaConnect erhalten zwei Nutzer, die sich zufällig am gleichen Ort befinden, eine Push-Mitteilung mit entsprechendem Hinweis aufs Handy. Im Interview mit persoenlich.com erklärt Alex Zimmermann den Nutzen der neuen Funktion, wie dabei der Datenschutz gewährleistet wird, und ob das Ganze nicht eher zur Suche nach Sexualpartnern verkommt.
Herr Zimmermann, ein neues Feature informiert Nutzer Ihrer App, die sich am gleichen Ort befinden, per Push-Mitteilung. Reicht es nicht, miteinander zu schreiben?
Alex Zimmermann: Meist werden Nachrichten unendlich lange hin und her geschrieben. Mit der neuen Funktion wollen wir Nutzer schneller und effizienter zusammenbringen – es sollen mehr Treffen stattfinden! Denn nur so kann man wirklich sagen, ob man sich auch im realen Leben versteht.
Geht es dabei nicht einfach darum, potenzielle Sexualpartner ausfindig zu machen?
Nein, Blinq ist wie ein Treffen in der Bar, einfach auf digitaler Ebene. Wir sind der Ice-Breaker, der Rest ist dem Nutzer überlassen. Auch bei einem Gespräch in einer Bar kann man nicht sagen, was später daraus wird. Mit unserem Aufnahmeverfahren (Nutzer können darüber entscheiden, wer aufgenommen wird, Anm. d. Red.) wollen wir uns bewusst von Sex-Apps abheben.
Sie glauben also daran, per Blinq die grosse Liebe finden zu können? Bei einem Treffen über die neue Funktion ist die Situation doch etwas erwungen.
Im Gegenteil: InstaConnect bringt die Spontanität zurück ins Online-Dating. Ich bin davon überzeugt, dass es möglich ist, per Blinq die grosse Liebe zu finden. Wir helfen dem Zufall lediglich etwas auf die Sprünge.
Gibt’s das neue Feature bisher nur bei Blinq?
InstaConnect ist im Vergleich zu anderen Dating-Apps einzigartig. Andere Anbieter haben das Problem, dass nur sehr selten reale Treffen stattfinden. Dem wollen wir entgegenwirken.
Zu diesem Zweck haben Sie verschiedene Bars und Cafés in Zürich und Arosa mit Sendern (sog. Beacons) ausgestattet. Sind Sie da bei den Lokalen auf offene Ohren gestossen?
Bei einigen war es einfach. Sie waren von Anfang an von unserer Idee überzeugt. Bei anderen Lokalen waren mehrere E-Mails, Telefonate und Treffen notwendig, um die Beacons platzieren zu können. Dank unserer Hartnäckigkeit konnten wir schlussendlich aber fast jedes angefragte Lokal überzeugen.
Von was für Zahlen sprechen Sie da?
Insgesamt wollen wir rund 70 Lokale mit unseren Beacons ausrüstens, mittlerweile sind es bereits über 50. Danach werden wir uns auf andere Städte wie München konzentrieren, wo wir Anfang Jahr bereits gestartet haben.
Gibt es da keine Probleme mit dem Datenschutz? Die Lokale könnten die Daten auch zu ihren eigenen Zwecken nutzen.
Die Nutzer können die InstaConnect-Funktion in der App jederzeit ausschalten, von daher ist das kein Problem. Unsere Beacons wurden so programmiert, dass sie nur im Zusammenhang mit unserem App verwendet werden können und die Lokale somit keine Möglichkeiten haben, die Daten für eigenen Zwecken zu missbrauchen.
Oft wird auch moniert, dass man sich bei Blinq nur über ein Facebook-Profil anmelden kann. Wieso diese Entscheidung?
Für uns ist Facebook wichtig, um die Authentizität der Profile zu überprüfen. Fake-Profile können so besser aussortiert werden.
Nun gibt es Blinq seit etwas mehr als einem Jahr. Wie sieht die Zwischenbilanz aus?
Mittlerweile haben wir rund 30'000 Nutzer. Da wir die App kostenlos anbieten, sind wir auf Investoren angewiesen, von denen im vergangenen Jahr auch einige dazugekommen sind. Das ermöglicht es uns nun, das Kapital zu erhöhen.
Wird die App auch weiterhin kostenlos bleiben?
Die Grundfunktion wird garantiert gratis bleiben. Wir überlegen uns jedoch, ob wir einzelne Features künftig kostenpflichtig anbieten sollen, aus Blinq also ein Freemium-Angebot zu machen.
Zum Schluss: Suchen auch Sie die grosse Liebe per Blinq?
Natürlich nutze ich das App auch persönlich. Da ich aber auch sonst eine offene und kommunikative Person bin, lerne ich auch bei anderen Gelegenheiten Leute kennen – wie der Grossteil unserer Nutzer übrigens auch. Blinq ist dabei einfach ein weiterer Kanal, welcher auch online funktioniert.
Interview: Nicolas Brütsch