Herr Wick, «wie ist Ihr Gesundheitszustand heute»?
Danke der Nachfrage. Gut, also glücklicherweise gesund. Wenn auch wegen unseres Projekts nicht im entspannten Lockdown-Modus.
Auf Ihrer Website #zeigdi sollen in der Schweiz wohnhafte Menschen ihren Gesundheitszustand eintragen, also genau diese Frage nach dem aktuellen Gesundheitszustand beantworten. Wie regelmässig sollen die Leute das tun?
Im Falle einer Infektion, also wenn Symptome auftreten, sollte der Zustand täglich aktualisiert werden, denn wir fragen gleichzeitig auch ab, welche Symptome auftreten. Und diese ändern sich im Verlaufe der Krankheit. Ist man gesund beziehungsweise genesen, so reicht ein Update alle drei bis vier Tage. Das ist auch der Rhythmus, in welchem wir daran erinnern: per charmant formulierter und illustrierter E-Mail.
Dazu gibt ja bereits covidtracker.ch von der ETH. Warum ist #zeigdi nötig?
Wir kooperieren mit dem Projekt und sehen einen Austausch der anonymisierten Daten über unsere öffentliche Schnittstelle vor. Für den Teilnehmenden spielt es also grundsätzlich keine Rolle, bei welchem Projekt er teilnimmt: Hauptsache er macht mit.
Was ist bei #zeigdi anders?
Im Unterschied zu covidtracker.ch fragen wir eine E-Mailadresse ab – weil wir der Überzeugung sind, dass diese Erinnerungsmöglichkeit langfristig wichtig ist. Nur so können wir die Gesundheitsupdates über eine längere Frist abfragen und vor allem zuverlässig den Usern zuordnen. Wir wollen zu den Teilnehmenden eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen: über ansprechenden Content, durch hohe Transparenz.
Was heisst das?
In unserem Manifest beispielsweise und wir machen uns selber sichtbar, in dem wir Profil zeigen und die Geschichte dahinter.
Registrieren Sie, wenn sich jemand bei beiden Angeboten einträgt, also sowohl bei covidtracker.ch als auch bei #zeigdi?
Diesen Fall können wir die Angaben aufgrund der Anonymisierung aktuell nicht erkennen. Wir gehen aber davon aus, dass sich ein Teilnehmer für eine Anwendung entscheidet.
«Wir sehen uns als Frühwarnsystem in den kommenden Monaten auf dem Weg aus dem Lockdown»
Im Mai soll die Schweizer Contact-Tracing-App verfügbar sein. Diese ist doch viel wichtiger als #zeigdi.
Die geplante Contact-Tracing-App ist in aller Munde. Wir befürworten die Entwicklung und den Einsatz einer solchen App. Es gibt aber noch einige Hürden zu meistern. Werden die Datenschutz-Fragen geklärt? Findet sich ein politischer Konsens zur Verwendung? Und: Werden genügend Personen mitmachen? Man spricht von 50 und mehr Prozent der Bevölkerung, die nötig sind um eine hohe Wirksamkeit zu erreichen. Wir sehen uns als Alternative dazu. Wir benötigen keine Always-on-Technologien wie etwa Bluetooth. Und wir erfassen nur, was uns der Teilnehmende explizit durch seine Eingabe übermittelt. Zudem liegt unser Fokus auf der regelmässigen Symptom-Erfassung und nicht auf der der Fallrückverfolgung. Damit können wir bereits bei einer Teilnahme der Bevölkerung im niedrigen einstelligen Bereich wichtige Aussagen machen. Gibt es relevante Mehrungen von Symptomen und Fällen? Wo geschehen diese? Wir sehen uns als Frühwarnsystem in den kommenden Monaten auf dem Weg aus dem Lockdown.
Was war Ihnen bei der Programmierung in puncto Datenschutz wichtig?
Einerseits natürlich die Sicherheit bei der Architektur und Entwicklung der Web-App. Gesundheitsdaten und Kontaktangabe liegen auf getrennten Systemen. Mit Ausnahme der E-Mail fragen wir keine stark identifizierenden Angaben wie etwa den Namen, die Adresse, das Geburtsdatum ab. Zudem haben wir rechtliche Abklärungen getroffen und die Verwendung der Daten stark eingegrenzt und in eine transparent formulierte Datenschutzerklärung gefasst.
«Mit Ausnahme der E-Mail fragen wir keine stark identifizierenden Angaben wie etwa den Namen, die Adresse, das Geburtsdatum ab»
Was erhalten die Nutzer als Gegenleistung, wenn sie #zeigdi regelmässig nutzen?
Unmittelbar erhalten sie Zugang zu den anonymisierten Daten in ihrer Gemeinde. Diese werden visuell aufbereitet und vermitteln ein Bild, wie die Entwicklung der letzten Tage bezüglich Covid-19 ist. Indirekt profitieren sie von den Auswertungen, die die Forschung und Gesundheitsdienste mittels der anonymisierten Daten machen können. Diese Stellen können die Daten jederzeit und kostenlos (Opendata) über unsere Schnittstelle beziehen.
Bei über 8,6 Millionen Menschen, die in der Schweiz wohnen: Wie viele müssen #zeigdi nutzen, damit die App auch tatsächlich einen sinnvollen Beitrag leisten kann?
Bereits ab 10’000 regelmässig Teilnehmenden können wir Trends und relevante Daten erfassen. Wir sind seit einer Woche online und haben bereits über 2000 Teilnehmende überzeugen können. Das Ziel sollte also erreichbar sein. Wir bleiben dran.
#ZeigDi eines von verschiedenen Hilfsmitteln sein für den Weg zurück in den Alltag. Auf zeigdi.ch erfassen Personen, egal ob jung oder alt, krank oder gesund, regelmässig ihren Gesundheitszustand. Das soll zu einem nützlichen Bild führen: Es zeigt die Verbreitung des Virus und dessen Entwicklung für jede Gemeinde, für jedes Quartier nach PLZ. #ZeigDi ist eine Initiative von Spezialistinnen und Spezialisten aus diversen Bereichen – ohne kommerzielle Interessen, wie es auf der Website heisst. Das Team will für die Prävention, Information und Forschung relevante Daten erheben und diese anonymisiert zur Analyse zur Verfügung stellen. (eh)
*David Wick hat die Fragen schriftlich beantwortet