Zürcher Jugendliche begehen mehr Delikte im digitalen Raum

Medienmissbrauch - Pornographie, Gewaltdarstellungen und Nötigungen: Die Anzahl der online begangenen Straftaten hat im vergangenen Jahr zugenommen. Viele Jugendliche sind mit der digitalen Welt überfordert und handeln impulsiv, ohne an rechtliche Folgen zu denken.

Bei Strafuntersuchungen gegen Minderjährige im Kanton Zürich sind immer häufiger Internet und Smartphone im Spiel. Pornographie, Gewaltdarstellungen, Ehrverletzungen, Drohungen und Nötigungen finden zunehmend online statt. Viele Jugendliche sind sich der Tragweite ihres Handelns im digitalen Raum nicht bewusst.

Nach einem Rückgang im Jahr 2016 hat die Zahl der beschuldigten Jugendlichen bei den im digitalen Raum begangenen Straftaten im Jahr 2017 wieder zugenommen. Sie bewege sich jedoch insgesamt auf moderatem Niveau, teilte die Oberjugendstaatsanwaltschaft am Freitag in einer Mitteilung mit.

Sensibilisierung ist notwendig

Trotz zahlreicher präventiver Anstrengungen zeigten sich viele Jugendliche von der digitalen Welt überfordert und agierten impulsiv, ohne an die möglichen Folgen zu denken. Ziel der durch die Oberjugendanwaltschaft zum dritten Mal durchgeführten Erhebung ist es, Jugendliche und Eltern zu sensibilisieren.

Neben strafrechtlichen Konsequenzen können Handlungen wie Cybermobbing oder der Versand von Nacktbildern massive persönliche Schädigungen zur Folge haben, welche die betroffenen Jugendlichen über Jahre hinweg immer wieder einholen, wie es in der Mitteilung heisst.

Pornographische Delikte markant zugenommen

Gegen 81 Minderjährige wurde 2017 im Kanton Zürich ein Strafverfahren wegen Pornographie eröffnet verglichen mit 43 Fällen im Vorjahr. In jedem zweiten Fall ging es um die Weiterverbreitung von pornographischem Material. In knapp jedem fünften Fall erstellten Jugendliche von sich selbst pornographische Fotos oder Videos.

14-Jährige wegen Pornographie verurteilt

Was als Liebesbeweis gedacht ist, kann jedoch schnell in falsche Hände geraten und unter Umständen als Druckmittel eingesetzt werden. Die Oberjugendanwaltschaft verweist auf den Fall einer 14-Jährigen, die von Bekannten um Nacktbilder gebeten wird. Sie fühlt sich geschmeichelt und verschickt Fotos und Videos per Chat an mehrere minderjährige Kollegen. Dafür wird sie wegen Pornographie verurteilt.

Gewaltdarstellungen und Ehrverletzungen steigend

Auch bei Gewaltdarstellungen haben die Verzeigungen im letzten Jahr zugenommen: Im Vergleich zum Vorjahr haben sie sich mehr als verdoppelt, von 18 auf 43 Anzeigen. 80 Jugendliche wurden wegen Verleumdung, übler Nachrede oder Beschimpfung angezeigt. Im Vorjahr waren es 57.

Während Mädchen in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich viele Ehrverletzungen begingen, blieb die Anzahl der weiblichen Beschuldigten 2017 gleich. Die Zahl der männlichen nahm dagegen zu.

Drohungen und Nötigungen eher offline

Eine Zunahme war auch bei Drohungen zu verzeichnen. Fand 2016 jede vierte Drohung im digitalen Raum statt, war es im vergangenen Jahr bereits jede dritte. Dabei ist zu beobachten, dass die Formen von Drohungen und der Einsatz von Medien vielfältiger wurden.

Die von Minderjährigen begangenen Nötigungen im digitalen Raum nahmen ebenfalls zu. Ihr Anteil stieg von 19 auf 29 Prozent. Bei jeder zehnten Nötigung spielten intime Fotos eine Rolle, die zwischen zwei Jugendlichen einst einvernehmlich ausgetauscht worden waren. (sda/pd/as)