In den USA werden über Crowdfunding bereits Millionenbeträge für die Umsetzung von Projektideen gesammelt. Das gleiche soll nun auch in der Schweiz gelingen. Die beiden Webseiten wemakeit.ch und 100-days.net sind im Februar online gegangen und haben bereits zur Finanzierung von einem halben Dutzend Projekten beigetragen. Das Prinzip des Crowdfunding ist einfach: Eine Person oder ein Verein hat eine zündende Idee für ein Projekt und präsentiert die Idee via Internet der breiten Masse, die das Projekt in der Folge mit kleinen Beträgen finanziert.
Als Gegenleistung erhält der Geldgeber in der Regel ein kleines Dankeschön, etwa eine Kopie eines durch die Finanzierung zustande gekommenen Musik-Albums oder das Versprechen auf namentliche Erwähnung im Abspann eines realisierten Films. Demnach ist der entrichtete Betrag nicht als renditeträchtige Investition, sondern eher als Spende für einen guten Zweck zu betrachten.
Sozusagen als Vermittler zwischen dem Ideenträger und dem Geldgeber treten Crowdfunding-Webseiten auf den Plan: Sie stellen die notwendige Plattform für die Präsentation des Projekts bereit und locken durch ihre Bekanntheit die potenziellen Geldgeber an. Wird ein Projekt eingereicht, muss der Ideenträger jeweils eine gewünschte Mindestfinanzierungssumme angeben. Kommt diese nicht zustande, fliesst das Geld automatisch an den Geldgeber zurück. Wird die gewünschte Summe erreicht, berechnen die Betreiber der Crowdfunding-Webseiten eine Kommission von 5 bis 6 Prozent des überwiesenen Betrages.
Die Vorreiterrolle in dieser Bewegung, die grosse Träume durch kleine Beträge möglich machen soll, hat die USA: Dort hat die im Frühling 2009 gestartete Crowdfunding-Plattform kickstarter.com bereits mächtig für Furore gesorgt und für 2011 beeindruckende Zahlen ausgewiesen. So wurden bei kickstarter.com im vergangenen Jahr insgesamt rund 27'000 Projekte eingereicht, für die über 33 Millionen Menschen gesamthaft nahezu 100 Millionen Dollar spendeten. Die erhoffte Finanzierung erreichten schliesslich knapp 12'000 Projekte.
44 Projekte online bei 100-days.net
Von einem solchen Erfolg ist die von den Machern des Städte-Newsletters Ron Orp ins Leben gerufene 100-days.net-Plattform noch ein gutes Stück entfernt. Jedoch sind seit der Aufschaltung am 16. Februar immerhin 44 Projekte eingereicht worden, darunter Veranstaltungs-, Film-, Musik- und Buchprojekte. Bereits finanziert werden konnte eine Geschichtensammlung. Der Mitinitiant Romano Strebel will ein breites Projektspektrum anbieten, das kreatives Schaffen in jeglicher Form unterstützt, wie der 38-Jährige gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagt. 100-days.net profitiert zudem davon, neue Projekte über den Ron-Orp-Newsletter bewerben zu können. Dieser erreicht schweizweit täglich über 120'000 Empfänger.
Die zweite neue Schweizer Crowdfunding-Webseite, wemakeit.ch, hat sich auf kulturelle Projekte spezialisiert. Mitinitiant Johannes Gees ist selber Künstler und möchte mit der am 5. Februar online geschalteten Webseite insbesondere Kunstschaffenden Schützenhilfe leisten. Im ersten Monat sind bei wemakeit.ch 30 Projekte eingereicht worden, für fünf kam die gewünschte Finanzierung bereits zustande. Gesamthaft seien rund 50'000 Franken überwiesen worden, erklärt Gees. Man habe dabei festgestellt, dass im Kunstbereich die Unterstützung durch Freunde von Freunden auch im Internet sehr wichtig sei, so seien die bereits finanzierten Projekte jeweils von einem kleinen Kreis von rund 30 Leuten getragen worden. Von anderen bereits existierenden Schweizer Crowdfunding-Webseiten wie c-crowd.com und investiere.ch, die sich vornehmlich auf die Finanzierung von Start-Up-Unternehmen konzentrieren, grenze sich wemakeit.ch bewusst ab, sagt Gees. (sda)