Afroamerikanisches Kino auf dem Vormarsch

US-Filmindustrie - Grosse Filme in zweiter Jahreshälfte erwartet.

Lange Zeit musste sich die US-Filmindustrie den Vorwurf gefallen lassen, viel zu wenig grosse Kinofilme von Schwarzen und über Schwarze herauszubringen. In diesem Jahr sind die Kritiken aber verstummt. Grund dafür ist eine grosse Zahl an afroamerikanischen Filmen, die allesamt in der zweiten Jahreshälfte ihre Premiere feiern.

Forest Whitaker als Butler

Quer durch sämtliche Genres erwarten die Kinobesucher in den USA mindestens zehn neue Streifen mit afroamerikanischem Hintergrund. Darunter befinden sich mehrere Produktionen mit intakten Chancen auf Preisauszeichnungen - einige davon mit Independent-Verleihern im Rücken, andere wiederum mit grossen Studios wie Weinstein, Fox oder Universal.

Vor allem das historische Drama "The Butler" mit Forest Whitaker in der Hauptrolle wird mit viel Spannung erwartet. Der Film fusst auf einer wahren Geschichte über einen dunkelhäutigen Butler im Weissen Haus, der insgesamt unter acht Präsidenten diente. Filmstart ist der 16. August. Hinzu kommen "Kevin Hart: Let Me Explain", "Fruitvale Station", "Baggage Claim" oder etwa der Weihnachtsfilm "Tyler Perry's A Madea Christmas".

Urbane Drogen-Dramen nicht mehr Schwerpunkt

Branchenexperten und Führungskräfte aus der Filmindustrie orten eine grösser werdende Zahl an Kinobesuchern mit Interesse an multikulturellen Filmen. Jene mit afroamerikanischem Bezug werden erstens öfters und zweitens in mehr Städten gespielt als in der Vergangenheit, erklärt Stephen Giulia von Fox Searchlight.

2013 ist vor allem deshalb ein besonderes Jahr für den afroamerikanischen Film weil er sich breit gefächert zeigt. Filme mit schwarzen Hauptdarstellern, Regisseuren oder Produzenten sind nie gänzlich von der Bildfläche verschwunden, doch deren starker Fokus auf urbane Dramen mit dem Schwerpunkt auf Drogen- und Familienproblematiken haben das Interesse der Verleiher schwinden lassen. Einige Filmemacher sprechen angesichts der bevorstehenden Filme von einer kulturellen Wiedergeburt und bringen gar Vergleiche mit der Harlem Renaissance der 1920er- und 1930er-Jahre. Das scheint vermutlich dann doch ein wenig zu weit hergeholt zu sein. Nichtsdestotrotz stehen afroamerikanische Themen in den kommenden Monaten zweifellos im Fokus. (pte)

Bild: Keystone