Von Krieg über Parteirhetorik bis zu Psychohygiene: Mit "Konflikt.Stoff" haben die Solothurner Literaturtage dieses Jahr ein besonders elastisches Motto. Mehr als andere Jahre kommt auch die Politik zur Sprache.
Am Samstag beispielsweise werden acht Autoren aus allen Landesteilen mit Nationalrat Cédric Wermuth zum Thema "Literatur im Krisenfall"
diskutieren. Und als Schluss- und Höhepunkt unterhalten sich am Sonntag Bundesrat Alain Berset und Autor Lukas Bärfuss unter dem Motto "Zur Sprache finden" darüber, wie Sprache Debatten beeinflusst.
Das Duo Berset/Bärfuss dürfte den Landhaussaal spielend füllen. Ebenso wie am Abend zuvor die Jubiläumsfeier für Peter Bichsel zum 80. Geburtstag. Der Solothurner feiert sich aber nicht selber: Er hat den deutschen Kollegen Ralf Rothmann eingeladen. Dieser wird aus "Im Frühling sterben" lesen, einem Roman, der im Zweiten Weltkrieg spielt.
Echte und aufgebauschte Kriege
Einen Kriegskonflikt näher an der Gegenwart behandelt die gebürtige Kroatin Marica Bodrožić. In ihrem Roman "Mein weisser Frieden" spielen unter anderem die Nachwehen der 1990er-Kriege in ihrer Heimat eine Rolle.
Der Frage, ob man durch das Erzählen von Kriegen Leiden besser verarbeitet, ist ein eigenes Podium gewidmet. Der deutsche Autor Sherko Fatah, Sohn eines irakischen Kurden, unterhält sich mit dem Psychiater Thomas Maier, der jahrelang Folter- und Kriegsopfer behandelt hat.
Ein weiteres Podium behandelt die alltäglichen Hassfeldzüge, welche empörte Bürger führen - beispielsweise gegen Muslime oder die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde KESB. Der Autor Martin R. Dean unterhält sich mit dem Soziologen Franz Schultheis, dessen Spezialgebiete Arbeitswelt, Prekariat und Armut sind.
Geheimtipp: der Fachmann für Aliens
Als Branchentreffpunkt thematisieren die Literaturtage aber auch die Konflikte, die sich dem Berufsstand eröffnen. Drei Zukunftsateliers bringen die Bedrohungen durch die neuen Medien zur Sprache: das Internet, das Ideenklau und Plagiat erleichtert; mehr oder weniger fundierte Leserkommentare, welche die klassische Literaturkritik ablösen; und natürlich das Urheberrecht der Autoren, das durch die kostenlose Verfügbarkeit ihrer Werke ausgehebelt wird.
Besonders interessant dürfte am Samstag die Veranstaltung "Die Literatur zwischen Datenklau und Urheberrecht" werden. Referent ist Philipp Theisohn von der Universität Zürich, der Bücher mit prickelnden Titeln wie "Das literarische Orakel 1450-2050" und "Plagiat. Eine unoriginelle Literaturgeschichte" veröffentlicht hat und an einem Forschungsprojekt "Conditio extraterrestris" arbeitet. (sda)