Anti-Köppel-Aktion hat Nachspiel

Theater am Neumarkt Zürich - Der Verwaltungsrat des Theaters zitiert die Chefs zu sich. Auch Schweizer Künstler kritisieren das Stück. In «Domo» schreibt Michael Ringier über Roger Köppel.

Die Chefs des Theaters Neumarkt müssen wegen dem Stück, in dem SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel der «Nazi ausgetrieben» werden sollte, beim Verwaltungsrat antraben. Gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag» sagt Andreas Spillmann, der Verwaltungsrat des Theaters Neumarkt: «Die Art des Theaters von Philipp Ruch finde lächerlich, bemühend und selbstgefällig.»

Spillmann, der Direktor des Landesmuseums ist, sagt weiter: «Es ärgert mich, dass ausgerechnet eine solche Attitude dem Neumarkt Publizität verschafft.» Der Verwaltungsrat werde mit den verantwortlichen Co-Direktoren Peter Kastenmüller und Ralf Fiedler sicher das Gespräch suchen. Kastenmüller sagte zuvor im Interview mit persoenlich.com, dass er Kritik am Stück natürlich verstehe.

Kritik von Thiel, Hohler, Lewinsky und Muschg

Auch Satiriker Andreas Thiel äusserte sich zum Stück. Die Veranstaltung von Aktionskünstlers Philipp Ruch betreibe «Verleumdung, Beschimpfung und Aufhetzung», sagt er im Interview mit der «Sonntagszeitung». «Man soll dem Neumarkt-Theater die Subventionen streichen», fordert der Berner Kabarettist. «Wenn solche Volksverhetzungen mit Steuergeldern finanziert werden, dann finanziert der Staat eine Straftat.» Ruch und seine Truppe habe  «Mittel der Diffamierung» eingesetzt, «die man von den Nazis kennt», so Thiel weiter.

Auch andere Schweizer Kulturschaffende distanzieren sich in der «Sonntagszeitung» von der Veranstaltung am Neumarkt-Theater. «Jemanden pauschal als Nazi oder Bösewicht abzustempeln und zum Abschuss freizugeben, ist eine Wildwestmethode», sagt Franz Hohler. Als «selbstdarstellerischen Unfug» bezeichnet Drehbuchautor und Schriftsteller Charles Lewinsky die Aktion. Kritik kommt auch von Autor Adolf Muschg: «Ich dachte, Donald Trump sei nicht zu unterbieten – aber es geht offenbar noch dümmer.»

Michael Ringier über «Empörungsjournalismus»

In der neusten Ausgabe der Ringier-Mitarbeiterzeitung «Domo» äussert sich auch Verleger Michael Ringier über seinen Berufskollegen Roger Köppel. Anlass ist Köppels Analyse einer Biografie über den deutschen Obernazi Herrmann Göring anfang des Jahres in seinem wöchentlichen Editorial. Ringier wirft Köppel vor, dass er dessen Verbrechen nur in einem Satz erwähnt habe. Noch viel mehr stösst es aber Michael Ringier auf, dass dies ausser «einem Artikel in einer Regionalzeitung und einem Kommentar eines Theaterregiesseurs» nicht beanstandet worden sei. «Und das in der Blütezeit des Empörungsjournalismus». Dies sei feige. Anschliessend zieht Ringier Vergleiche mit dem «Fall Carlos», der vom «Blick» aufgedeckt wurde, oder der Affäre um den Badener Stadtammann Geri Müller, die während Wochen in den Schlagzeilen waren. (SchwamS/SoZ/Domo)