Ausstellung zeichnet das Leben des Schriftstellers nach

Alfred Andersch - Auch Max Frisch erhielt eine Sonderausstellung im Museo Onsernonese.

Zum 100. Geburtstag von Alfred Andersch (1914 - 1980) widmet das Museo Onsernonese im Tessin dem deutschen Schriftsteller eine Sonderausstellung. Eine Auswahl von Texten, Dokumenten und Bildmaterial zeichnet den Lebensweg des "Wahl-Tessiners" nach.

Alfred Andersch gilt als einer der wichtigsten Autoren der Nachkriegsliteratur. Dass ausgerechnet das kleine Museum im Onsernonetal sich seinem Werk widmet ist kein Zufall. Andersch verbrachte über dreissig Jahre in Berzona im Onsernonetal. Sein Rückzug aus Deutschland 1958 war politischer Protest.

"Berzona gab dem Schriftsteller damals den idealen Rahmen zum Schreiben", sagte am Mittwoch die Präsidentin des Museums, Maria Rosaria Regolati Duppenthaler im Rahmen einer Medienkonferenz. Aus Distanz und mit kritischem Blick habe Andersch so die Verhältnisse in Deutschland - Wirtschaftswunder und Wiederaufrüstung - verfolgt.

Mit der Ausstellung "Die Utopie der Freiheit" (ab Sonntag bis 2. November), die sich an ein breites Publikum richte, sollen wesentliche Aspekte des persönlichen und literarischen Schaffens des Autors verdeutlicht werden. Die Schau sei so angelegt, dass die Besucher Andersch anhand von Zitaten, Briefen und Fotografien quasi persönlich kennenlernen.

Bereits Max Frisch abgefeiert 
Zu den wichtigsten Werken von Andersch gehört der Roman "Sansibar oder der letzte Grund" (1957). Neben Romanen, Erzählungen und Lyrik produzierte er als Redaktor auch Hörspiele. Seine Werke enthalten viele autobiographische Elemente.

Zu den einschneidendsten Erlebnissen seines Lebens gehörte die Desertion 1944 an der Front in Italien. Er lief zur US-Armee über und war für rund ein Jahr Kriegsgefangener. 1933 verbrachte Andersch wegen seiner Zugehörigkeit zu kommunistischen Verbänden ein paar Monate im Konzentrationslager Dachau. Prägend für das Leben des Schriftstellers war offenbar auch das schwierige Verhältnis zum Vater.

Das Museo Onsernonese widmete vor drei Jahren schon Max Frisch eine Ausstellung zum 100. Geburtstag. Frisch machte ebenfalls Berzona zu seiner zweiten Heimat. Das war kein Zufall. Denn gemäss Kuratoren war es Andersch, der dem Freund und Schriftsteller-Kollegen Frisch ein Haus in dem kleinen Dorf vermittelte. (sda)