Die Schweizer Kinos haben mit einem weiteren Zuschauerschwund zu kämpfen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichneten sie nur knapp sieben Millionen Besucher oder 18,2 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode, wie die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf den Dachverband der Kino- und Filmverleihunternehmen Procinema berichtet.
Da der von Hitze und Fussball-WM geprägte Juli historisch schlecht gewesen sei und in der zweiten Jahreshälfte kein «James Bond», «Star Wars» oder kein grosser Schweizer Film wie «Heidi» laufe, könne das Minus Ende Jahr über 20 Prozent betragen, schreibt die Zeitung.
Als Grund für die Baisse nennen Kinobetreiber das warme Wetter. Bis im März sei das Geschäft gut gelaufen, doch dann sei es schon im April 25 Grad warm geworden, und die Umsätze seien gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent zurückgegangen, sagte Kitag-Geschäftsführer Philippe Täschler. Weiter kritisieren Kinobetreiber, dass die Hollywoodstudios alle Blockbuster noch vor der WM herausgebracht und diese sich dann gegenseitig das Wasser abgegraben hätten.
Am Filmfestival Locarno treffen sich vom 1. bis zum 11. August 40 Vertreter der Kinobranche hinter verschlossenen Türen, um Auswege aus der Krise zu finden. «2018 könnte als jenes Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die Folgen der schon lange diskutierten digitalen Disruption voll durchschlagen», erklärt Nadia Dresti, Head of Locarno Pro. «Wir haben hochkarätige Gäste eingeladen, wie Jérôme Paillard, Leiter des Filmmarktes von Cannes, und Funa Maduka, Einkäuferin von Netflix, um die Situation zu analysieren.» (sda/maw)