Kein anderer Bereich der Kultur habe in den vergangenen zehn Jahren umwälzendere Entwicklungen durchgemacht als der Film, sagte Alain Berset in Locarno. Und diese Veränderungen würden weiter voranschreiten. «Wir werden sehr aktiv bleiben müssen», resümierte Berset, der Ende Jahr als Bundesrat zurücktreten wird. Die Begleitung dieses Wandels durch den Bund bleibe von zentraler Bedeutung.
Als wichtigste Anpassungen im Bereich der Filmförderung nannte Berset die Ersatzmassnahmen zugunsten der Filmschaffenden; das war 2014, als die Schweiz nach der Annahme der Masseineinwanderungsinitiative nicht mehr am MEDIA-Programm der EU teilnehmen konnte. Oder 2016 die Einführung der Filmstandortförderung (FISS).
Wesentlich sei auch die Änderung des Filmgesetzes 2022 gewesen. Dieses sieht ab 2024 eine Pflicht für Streaming-Anbieter vor, in schweizerisches Filmschaffen zu investieren.
Lehren aus der Pandemie
Bersets Amtsantritt Anfang 2012 fiel zeitlich mit dem Inkrafttreten des neuen Kulturförderungsgesetzes (KFG) zusammen. Dieses Gesetz übertrug dem Bund zum ersten Mal umfassende Verantwortung für die Kultur. Als neues Instrument für die strategische Ausrichtung der Kulturpolitik diente die Kulturbotschaft.
Als Beispiele für wichtige kulturpolitische Bereiche, in denen der Bund aktiv war und ist, nannte der Bundespräsident die Pflege der kulturellen und sprachlichen Vielfalt des Landes und damit des gesellschaftlichen Zusammenhalts, die Förderung der kulturellen Teilhabe sowie die Neuorganisation der Schweizer Kulturpreise.
Die Coronavirus-Pandemie bezeichnete Berset als eine Art Wendepunkt in Sachen Kulturförderung. Der Bund habe das Kulturleben vor dauerhaftem Schaden bewahren können, musste jedoch auch Lehren für die Zukunft ziehen. Diese seien in die Kulturbotschaft 2025-2028 eingeflossen, welche sich seit Juni in der Vernehmlassung befindet. Zum konkreten Inhalt dieser «Lehren» sagte Berset nichts.
Die Direktorin des Bundesamts für Kultur (BAK), Carine Bachmann, sprach hinsichtlich der neuen Kulturbotschaft von einem «Schlüsselmoment» in der Kulturförderung. Es sei wichtig, Gemeinden und Kantone früh einzubeziehen und dies sei dem Bund gelungen.
«Dynamische» Jahre für den Film
BAK-Filmchef Ivo Kummer bezeichnete die Zukunft des Films als «dynamisch und interessant». Vor den Medien stellte er zahlreiche rhetorische Fragen, darunter jene nach der Nachhaltigkeit von Filmproduktionen. Auch das Funktionieren internationaler Co-Produktionsabkommen werde durch die zahlreichen Herausforderungen im Filmbereich auf die Probe gestellt. Ausserdem erwähnte Kummer, dass es wohl Anpassungen bei der regionalen Filmförderung brauche.
Auf die Frage eines Journalisten nach der Bilanz des Kulturministers im Bereich Film sagte dieser, das Kino hätte «gute Jahre» hinter sich und berief sich dabei auf «Experten», welche dies geschrieben hätten.
Dennoch bereiteten ihm natürlich die Zahlen zur Belegung der Kinosäle Sorgen, schob Berset nach. «Aber das sagt nicht alles über die Situation der Branche», mahnte der abtretende Kulturminister, der vor den Medien in erster Linie seine Leistungen unterstrich und ziemlich unkritisch auf die Schweizer Filmfördersysteme blickte.
Es gebe kein «ideales Fördersystem» sagte Berset weiter. Trotz Schwächen habe es «sehr gute Resultate» gegeben in den letzten Jahren. Zudem sei der Bund nicht alleiniger Förderer von Filmen, auch Private und die SRG spielten eine wichtige Rolle. Und: Es sei an den Leuten, gute Filme zu machen.
Insgesamt sei es aber «stolz» in einer Schweiz zu leben, die so gut funktioniere. Zahlreiche Schweizer Filme hätten in den vergangenen Jahren an internationalen Festivals grosse Erfolge gefeiert. (sda/nil)