Herr Jungen, das Corso-Kino schliesst im Jahr 2029. Was bedeutet das für das Zurich Film Festival (ZFF)?
Wir wussten, dass das Kino Corso irgendwann saniert wird und zwei Jahre lang geschlossen sein wird. Dass nun der Kinobetrieb einem Eventhaus weichen soll, ist eine Hiobsbotschaft. Nicht nur für das ZFF, sondern für die Kinostadt Zürich. Wir werden weltweit für unsere schönen Lichtspieltheater bewundert, nun will die Stadt ausgerechnet unser Flaggschiffkino schliessen.
Ist das Corso für Sie existenziell?
Ja, wir brauchen grosse Kinosäle an zentraler Lage, auch einen mit über 700 Plätzen. Das Corso 1 ist das grösste Premierenkino der Schweiz. Dort haben wir in den letzten Jahren Stars wie Sharon Stone, Juliette Binoche oder Wagner Moura ausgezeichnet, aber auch Schweizer Filmschaffende wie Rolf Lyssy und Anne Walser. Wir sind auch in Zukunft darauf angewiesen, dass man in diesem mythischen Prachtsaal Filme zeigen kann. Es gibt kein anderes Kino in der Stadt, das diese Sitzkapazität hat.
Wie erfuhren Sie von der Schliessung des Kinos?
Wenige Stunden vor Veröffentlichung der Medienmitteilung hat mich ein Mitarbeiter unseres Kinopartners Blue über die neuen Nutzungspläne der Stadt informiert.
Nun war die Sanierung des Gebäudes schon seit einigen Jahren ein Thema. Hat man schon ein Alternativszenario?
Ja, wir haben mehrere Varianten geprüft, aber wir sind bisher nach Rücksprache mit der Stadt immer von einer Übergangslösung für ein Jahr oder maximal zwei Jahre ausgegangen.
Was unternehmen Sie momentan?
Wir versuchen, erst einmal Fakten zu den Plänen der Stadt zu bekommen, um uns ein Bild für die Zukunft machen zu können. Seit am 5. Oktober 2005 das erste Zurich Film Festival mit der Europapremiere des Thrillers «Flightplan» mit Jodie Foster im Corso 1 eröffnet wurde, war das legendäre Haus am Sechseläutenplatz unsere Heimat. Es ist wichtig, dass wir diesen Saal auch weiterhin bespielen können. Zürich braucht ein Premierenhaus mit mehr als 700 Plätzen – auch für Premieren von Schweizer Filmen, welche die Stadt fördert.
Welche Bedeutung hat das Corso für Sie persönlich?
Ich habe dort meine allererste Pressevorstellung als Journalist besucht – den Film «Sommersby» mit Richard Gere und Jodie Foster. Später habe ich dort «Titanic» gesehen, aber auch Meisterwerke am ZFF wie «La La Land» und «A Star is Born». Ich liebe dieses Kino und mir würde das Herz bluten, wenn dort nach der Renovation keine Filme mehr gezeigt werden könnten. Das Corso ist das Lieblingskino vieler Zürcherinnen und Zürcher. Eine Weltstadt wie Zürich braucht auch in Zukunft ein grosses Premierenkino.

