08.03.2010

"The Cove"

Delfin-Jagd-Doku erntet Oscar

Der Berner Hans Peter Roth war mitbeteiligt.

Der Film "The Cove", der die jährliche Delfin-Jagd in der japanischen Stadt Taiji thematisiert, hat einen Oscar in der Kategorie "Beste Dokumentation" gewonnen. In Japan hat der Film zu heftigen Kontroversen geführt. Der Bürgermeister von Taiji, Kazutaka Sangen, protestierte gegen die Prämierung des Films. Seit seiner Veröffentlichung ist die Dokumentation mit unzähligen Preisen prämiert worden.

"Im Film, der zum Teil under-cover gedreht wurde, wird geschildert, was sich rund um den Wal- und Delfinfang in Japan abspielt", so Nicolas Entrup von der Whale & Dolphin Conservation Society. "Das Filmteam hat peinlichst genau recherchiert und nicht nur die brutalen Szenen der Delfinschlachtung thematisiert, sondern den gesamten Apparat, der dahinter steckt und das ganze deckt."

Der US-Schauspieler Ben Stiller hat sich im Herbst 2009 dafür eingesetzt, dass der Film beim Tokio Film Festival vorgeführt wird. In der Zwischenzeit gibt es auch einen Vertrieb in Japan. Im Laufe des Jahres soll der Film dann in einer leicht modizifizierten Version in anderen japanischen Städten gezeigt werden, berichtet BBC-Online. Die Bevölkerung von Taiji verteidigt sich damit, dass sie diese Kleinwaljagd seit Dekaden durchführen. Bürgermeister Sangen erklärte, dass es schade sei, dass der Film Fakten präsentiere, die nicht wissenschaftlich gedeckt wären. Waljagd sei in Japan legal und diese Tradition müsse aus Respekt vor anderen Kulturen toleriert werden. Umweltschützer kritisieren seit Jahren die Scheinargumente, mit denen Japan seinen Wal- und Delfinfang verteidigt.

Am Filmprojekt mitgewirkt hat auch der Berner Hans Peter Roth. Als das Filmmaterial im Kasten war, lieferte er in einem Buch Hintergründe und vertiefende Informationen. Im Stile eines spannenden Romans war es Roth möglich, neue Handlungsstränge ins Spiel zu bringen und wissenschaftliche Aspekte zum Lebensraum Ozean zu erläutern.

Als den Dokumentarfilmern der Oskar verliehen wurde, befand sich Roth mit einem japanischen Filmteam in der Bucht. Vor laufender Kamera wurde ihm die gute Nachricht aus Los Angeles übermittelt. In unmittelbarer Nähe zur Bucht erreichte die "Bund"-Redaktion Roth telefonisch. "Mir brummt der Schädel und ich muss erst noch realisieren, was passiert", sagt Roth. Er bezeichnet sich selber als "Nebendarsteller", freue sich aber "riesig" über den Oscar. (sda/pte)


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