08.11.2015

Schweizer Buchpreis

Der Preis geht an Monique Schwitter

Die Zürcherin erhält die Auszeichnung für ihr Werk "Eins im Andern".

Der Roman "Eins im Andern" von Monique Schwitter ist mit dem Schweizer Buchpreis 2015 geehrt worden. Die mit 30'000 Franken dotierte Auszeichnung wurde der Zürcherin am Sonntag im Theater Basel im Rahmen des Festivals BuchBasel überreicht. Schwitters Roman sei "eine facettenreiche Liebesbiografie, kräftig, humorvoll, nachdenklich", hiess es in der Jurybegründung. Trotz seiner strikten Struktur - die Erzählerin ordnet die verschiedenen Lieben ihres Lebens den zwölf Aposteln zu - wirke es nie künstlich erzwungen.

Schwitter, die seit 2010 in Hamburg lebt, hatte keine Dankesrede vorbereitet. Für die Verleihung des Deutschen Buchpreises, für den sie ebenfalls nominiert gewesen war, habe sie eine gehabt, sagte sie am Sonntag in Basel. Aber da sie sie nicht halten konnte, habe sie beschlossen, künftig nur noch für sich und die Leser zu schreiben - "wie ich es immer tue".

Das Rennen sei knapp gewesen, sagte Jury-Präsidentin Corina Caduff vor der Öffnung des Preisträger-Couverts. Die Diskussion habe dreieinhalb Stunden gedauert. Auf der Shortlist standen auch Martin R. Deans "Verbeugung vor Spiegeln", Dana Grigorceas "Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit", Meral Kureyshis "Elefanten im Garten" und Ruth Schweikerts "Wie wir älter werden". Sie erhielten zweite Preise in Höhe von je 2500 Franken.

Mit Liebesbriefen zur Literatur gekommen

Ihre Lust am Schreiben habe mit Liebesbriefen begonnen, sagte Schwitter einmal. 1972 in Zürich geboren, studierte sie Theaterregie und Schauspiel in Salzburg. Sie hatte Engagements an den Schauspielhäusern von Zürich, Frankfurt, Graz und Hamburg und inszenierte auch selber. Für ihren Debütband "Wenn's schneit beim Krokodil" wurde Schwitter 2006 mit dem Robert-Walser-Preis und dem Förderpreis der Schweizer Schillerstiftung ausgezeichnet.

Danach erschienen 2008 der Roman "Ohren haben keine Lider" und das Theaterstück "Himmels-W". Schwitter verabschiedete sich 2010 von der Bühne und lebt seitdem als freie Schriftstellerin in Hamburg. 2011 veröffentlichte sie den Erzählband "Goldfischgedächtnis".

"Trendthema" Immigration?

Schwitters Roman war neben dem von Ruth Schweikert der einzige auf der Shortlist, der nicht in der einen oder anderen Weise das Thema Immigration reflektierte. Bei einem Gespräch im Rahmen der Verleihung bemängelte auch der Buchhändler Jens Stocker - wie vor ihm mehrere Medien - eine gewisse Einseitigkeit. Jury-Präsidentin Caduff liess das nicht gelten: Einzig "Elefanten im Garten" der in Prizren im ehemaligen Jugoslawien geborenen Bernerin Meral Kureyshi sei eine echte Einwanderer-Geschichte.

Auch wenn Dana Grigorcea seit einigen Jahren in Zürich lebe, sei ihr in Bukarest spielendes Buch "Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit" ein klassischer Stadtroman ohne grosse Bezüge zum Thema Immigration. Und Martin R. Dean, der in seiner Essaysammlung "Verbeugung vor Spiegeln" laut Jurybegründung "Grundlagenforschung" zum Thema Fremdheit betreibe, sei in der Schweiz geboren und aufgewachsen, wenn auch als Sohn eines indischen Vaters.

Literatur kennt keine "Jahrgänge"

Dieses Jahr reichten die Verlage die Rekordzahl von 90 Titeln für den Schweizer Buchpreis ein. Für Corina Caduff ist das aber kein Zeichen für einen besonders guten "Jahrgang". Bücher reiften nicht wie Trauben, sagte sie in Basel. Die zusätzlichen Bewerber schreibt sie der Tatsache zu, dass der Preis an Bekanntheit gewonnen hat.

Der Schweizer Buchpreis beabsichtigt nach eigenen Angaben "mit der aktiven Werbung im Buchhandel sowie mit einer Lesetour durch die Schweiz und Nachbarländer eine öffentliche Diskussion über Bücher von deutschsprachigen Schweizer Autorinnen und Autoren zu animieren und dazu beizutragen, dass diese stärker wahrgenommen, gelesen und gekauft werden".

Dieses Ziel verfolgen die Initianten, der Verein LiteraturBasel und der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband, seit 2008 mit privaten Mitteln. Mit wenigen Ausnahmen hat der Buchpreis als Fördermittel gegriffen: Das letztjährige Gewinnerbuch "Koala" von Lukas Bärfuss zum Beispiel sprang nach der Preisverkündung auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste. (sda)


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