Der "Weltwoche" wird der Prozess gemacht

Theater am Neumarkt - Valentin Landmann, Claudio Zanetti, Ulrich Schlüer, Margrit Zopfi, Filippo Leutenegger sowie "Weltwoche"-Journalist Alex Baur spielen mit.

Die "Weltwoche" auf der Anklagebank: Am kommenden Wochenende wird der Schweizer Wochenzeitung mit einer inszenierten Gerichtsverhandlung im Zürcher Theater Neumarkt der Prozess gemacht. Der Hauptakteur, "Weltwoche"- Verleger Roger Köppel, fehlt jedoch.

Der Schweizer Regisseur Milo Rau brachte bereits die "Moskauer Prozesse" über die Verurteilung der Punk-Band Pussy Riot auf die Bühne. Nun nimmt er sich eines Schweizer Themas an, konkret der "Weltwoche", der laut Rau "umstrittensten Zeitschrift des Landes".
 
Aufgeführt wird ein Gerichtsprozess, bei dem die Zuschauer bald vergessen werden, dass sie im Theater sitzen. Schauspieler werden sie keinen einzigen zu Gesicht bekommen, dafür Juristen, Politiker und andere Akteure, die alle nur sich selbst darstellen.
 
Der einzige Akteur, der sich an einen Text halten wird, ist der Jurist Marc Spescha, der die "Weltwoche" auf der Bühne anklagt. Verantworten muss sich die Zeitschrift in diesem Theaterstück wegen ihrer Islam-Berichterstattung, der Darstellung von einzelnen Volksgruppen wie etwa den Roma und ihren Angriffen auf das Schweizer Justizsystem.
 
Wie weit geht Meinungsfreiheit?
 
Zentrale Frage der "Zürcher Prozesse" ist, wie weit die Meinungsäusserung gehen darf und wann sie der Gesellschaft schadet. Rund 14 Stunden wird das Spiel dauern. Tagen wird das inszenierte Gericht am Freitag, Samstag und Sonntag.
 
Das Urteil, das am Sonntag gefällt wird, ist gemäss Rau allerdings nicht so wichtig. "Es wird natürlich keine strafrechtlichen Folgen haben", sagte er am Dienstag vor den Medien. Wichtig sei bei diesem Projekt die Diskussion.
 
Dass diese in Gang kommen wird, davon ist er überzeugt. Anfangs habe er noch befürchtet, dass die Schweizer zu konsensfähig sein könnten. Beim Casting habe er aber gemerkt, dass es tiefe Gräben gebe. "Es werden harte Argumente kommen."
 
Der echte Köppel will nicht vor ein falsches Gericht
 
Die Besetzung der "Zürcher Prozesse" liest sich wie ein Figurenkabinett der Schweizer Medien-Aktualität: Auftreten werden unter anderem Anwalt Valentin Landmann, SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti, der ehemalige SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer, Nicolas Blancho vom islamischen Zentralrat, Whistleblowerin Margrit Zopfi, FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, "Weltwoche"-Journalist Alex Baur und SP-Nationalrat Cédric Wermuth.
 
Roger Köppel, der Verleger der "Weltwoche", fehlt in diesem Gerichtsspiel allerdings. Er wird beim dreitägigen Stück höchstens im Publikum sitzen, sein Produkt aber nicht selbst auf der Bühne verteidigen. Der echte Köppel werde sich nicht vor ein falsches Gericht stellen, begründete der Verleger seine Abwesenheit.
 
Wer noch Tickets will, ist vermutlich schon zu spät dran. Auf der Webseite heisst es neben dem Stück bereits: Ausverkauft. (sda/cb/Bild: Screenshot "Die Zürcher Prozesse")