03.08.2022

Locarno Film Festival

Die Jubiläumsausgabe geht an den Start

Am 4. August wird auf der Piazza Grande das 75-jährige Bestehen der Veranstaltung zelebriert. Neben Filmen gibt es auf dem Festival auch eine Installation der deutschen Künstlerin Hito Steyerl zu sehen, die eine zentrale Rolle in der kritischen Betrachtung der digitalen Medien einnimmt.
Locarno Film Festival: Die Jubiläumsausgabe geht an den Start
Das Locarno Film Festival findet seit Mittwoch zum 75. Mal statt. (Bild: Ti-Press)

An Locarno75 wird sowohl die Geschichte des Festivals als auch die des Kinos gefeiert, um anschliessend auf die Zukunft der Filme und der audiovisuellen Kunst zu blicken. Dies werde vom Programm des Eröffnungstages am 3. August unterstrichen, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine Reise von den Anfängen des Kinos hin zu einer der meist herbeigesehnten Neuheiten, heisst es weiter. Im GranRex in Locarno wurde die Douglas Sirk gewidmete Retrospektive gezeigt mit dem ersten grossen Melodram des Regisseurs Schlussakkord.

Zu diesem Anlass stellten der künstlerische Leiter des Festivals Giona A. Nazzaro und die beiden Kuratoren Bernard Eisenschitz und Roberto Turigliatto den Film vor. Darauf folgten weitere Filme der deutschen Phase von Sirk: «Das Hofkonzert» (1936), «Zu neuen Ufern» (1937), der von Stig Björkman vorgestellt wurde, und «Stützen der Gesellschaft» (1935).

Am Nachmittag fand im Palexpo (FEVI) die Vorführung eines Stummfilms mit Live-Musikbegleitung statt. In diesem Jahr wird neues Licht auf das Werk von David W. Griffith geworfen. Griffith war eine Schlüsselfigur in der Entwicklung der Filmsprache. Sein Melodram «Broken Blossoms» mit Lillian Gish wird von der Live-Musik des Orchestra della Svizzera italiana begleitet.

Der Höhepunkt des ersten Tages von Locarno75 ist die Eröffnungszeremonie auf der Piazza Grande. Am Abend nimmt Aaron Taylor-Johnson den Excellence Award Davide Campari entgegen. Er ist einer der grossen Namen im Thriller «Bullet Train» von David Leitch, in dem unter anderen auch Brad Pitt, Michael Shannon und Sandra Bullock mitspielen. Am gleichen Abend wird auch das Projekt «Postcards from the Future»2 lanciert, das eine Auswahl von Kurzfilmen von elf der bedeutendsten internationalen und nationalen Filmemacher/innen präsentiert. Den Anfang macht die Regisseurin Natalka Vorozhbyt, welche die Realität der russischen Invasion in der Ukraine aufzeigt.

In den folgenden Tagen werden wir die Kurzfilme von Andrea Staka, Fredi M. Murer, Aleksander Sokurov, Bertrand Mandico, Claire Simon, Nadav Lapid, Kevin B. Lee, Cyril Schäublin, Annemarie Jacir und Kantarama Gahigiri entdecken können. Am 4. August wird auf der Piazza Grande das 75-jährige Bestehen der Veranstaltung zelebriert, zusammen mit einigen künstlerischen Leitern, die deren Geschichte mitgeprägt haben: Jean-Pierre Brossard, David Streiff, Frédéric Maire, Olivier Père und Carlo Chatrian.

Das ist allerdings noch nicht alles, denn in Locarno wird man auch die Zukunft der Bildwelt erkunden können, heisst es in der Mitteilung weiter. Zum Beispiel wird im Rivellino die Installation SocialSim der deutschen Künstlerin Hito Steyerl eingeweiht, die eine zentrale Rolle in der kritischen Betrachtung der digitalen Medien einnimmt. Die Installation kann sowohl tagsüber als auch während ausgewählter nächtlicher Events kostenfrei besucht werden. Das Videowerk stellt die Virtualisierung der realen Welt während der Coronapandemie in Frage. Die Künstlerin wird ihre Schöpfung am Donnerstag, 11. August, um 13.30 Uhr im Forum @Spazio Cinema mit dem USI Locarno Film Festival Professor for the Future of Cinema and Audiovisual Arts, Kevin B. Lee, erörtern. Auch dieses Jahr gibt es zudem die Möglichkeit, sich durch Virtual Reality auf eine Reise mitnehmen zu lassen: Die alte Projektionskabine, die von Bonalumi Engineering SA restauriert wurde, ist seit heute im Largo Zorzi in Betrieb und bietet ein neues Programm an, das in Zusammenarbeit mit dem Geneva International Film Festival (GIFF) erstellt wurde und auch Werke von François Vautier, Chou Tung-Yen, Mali Arun und Enrique Agudo umfasst.

In diesem Jahr gibt es ausserdem ein weiteres wichtiges Jubiläum zu feiern: Vor 20 Jahren trat die Schweiz den Vereinten Nationen bei. Zu diesem Anlass wird Maher Nasser, einer der Direktoren der UNO-Hauptabteilung für Globale Kommunikation, in Locarno zu Gast sein. Direktor Nasser beschäftigt sich unter anderem mit der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und der kreativen Gemeinschaft, um die Verbreitung der universellen Werte der Organisation zu fördern. Neben Nasser wird in Locarno auch die Delegation des Films Paradise Highway von Anna Gutto vertreten sein. Der Film befasst sich mit Menschenhandel; ein Übel, das von den Vereinten Nationen aktiv bekämpft wird. Direktor Nasser wird auch Teil eineröffentlich zugänglichen Diskussion sein, die am Sonntag, 7. August, um 13.30 Uhr im Forum @Spazio Cinema stattfindet. (pd/mj)



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