Herr Burger, herzliche Gratulation zu Ihrem achtzigsten Geburtstag. In diesem Jahr haben auch andere bekannte Persönlichkeiten wie Roger Schawinski, Walter Andreas Müller oder Jürg Marquard feiern dürfen. Ist das Zufall, oder ist es ein besonderer Jahrgang?
Tatsächlich sind wir kein schlechter Jahrgang (schmunzelt). Wir haben alle unseren Weg im Entertainment gemacht: Jürg Marquard gründete die erste Musikzeitung, Roger Schawinski ist im Radiobereich ein Pionier, und Walter Andreas Müller hat als Schauspieler Grossartiges geleistet. Wir sind alle Nachkriegskinder, die etwas bewegen, verändern und Neues schaffen wollten. Fleiss und Verlässlichkeit waren wichtige Tugenden, für die wir stehen. Über viele Jahre ging es nur aufwärts, und wir konnten und wollten etwas erreichen.
Ihr Geburtsjahr war ja auch das Ende des Zweiten Weltkriegs. Hat Sie dies speziell geprägt?
Ich war noch ein Baby und bekam das natürlich nicht mit. Ich wuchs aber in einfachen Verhältnissen auf. Mein Vater bekam unter der Woche als Einziger in der Familie Fleisch, damit er genügend Energie für die zwei Jobs hatte, die er bewältigte. Ich bin durch die Nachkriegszeit geprägt: den Bezug zur Normalität zu behalten und auf dem Boden zu bleiben.
Anfang des Jahres soll der legendäre Club Mascotte, der auch zu Ihrem «Imperium» gehört, mit neuem Konzept weitergeführt werden. Ist dies auch eine Art Geburtstagsgeschenk?
Das Mascotte ist für mich ein Wegbegleiter und ein Geschenk, das mich nun schon mehr als fünfzig Jahre begleitet. Weil ich mit meiner Vermittlungsagentur die besten Orchester ins Mascotte brachte, hatte ich gute Argumente, als Minderheitsteilhaber einzusteigen, und so machte ich diese Tür auf. Später konnte ich weitere Anteile kaufen. Ich bin schon stolz, zu sehen, welche Ausnahmekünstler über die Jahre im Mascotte aufgetreten sind, darunter so klingende Namen wie Josephine Baker, Sammy Davis, Jr., Hazy Osterwald, Pepe Lienhard, Falco, Die Toten Hosen und natürlich Udo Jürgens. Es fühlt sich tatsächlich wie ein Geburtstagsgeschenk an, dass wir das Mascotte wiedereröffnen können. Es ist für mich ein nicht wegzudenkender Teil aus dem Zürcher Nachtleben.
-
Udo Jürgens und Freddy Burger, 1989 -
Cliff Richard, 1965 -
Falco und Udo Jürgens im Mascotte, 1984 -
Sammy Davis jr. im Mascotte, 1978
Was wird neu im Mascotte?
Ende Januar geht das Mascotte mit einem neuen Konzept wieder auf. Das freut mich ausserordentlich. Die Details werden wir im neuen Jahr kommunizieren. Ich kann aber schon vorwegnehmen: Wir kehren zurück zum ursprünglichen Namen «Palais Mascotte». Kern der Neuorientierung ist ein Barbetrieb ab 18 Uhr, der dann um 22 Uhr nahtlos in den Club übergeht.
Udo Jürgens war ja auch mal Mitbesitzer ...
Ja, ich gab Udo die Möglichkeit, sich am Club zu beteiligen. Er wohnte damals im Corsohaus und hatte einen engen Bezug zum Mascotte, es war quasi sein erweitertes Wohnzimmer. Ab 1983 war er für einige Jahre beteiligt.
In der Stadt ging das Gerücht um, dass der Club eingestellt würde. War das die ursprüngliche Absicht – oder waren es Fake News?
Das waren keine Fake News.
«Für mein Herz und meine Seele ist das die richtige Entscheidung»
Sie wollten Ihren achtzigsten Geburtstag ursprünglich im Mascotte feiern, haben aber dann davon abgesehen. Warum?
Eigentlich hatte ich eine Party im Mascotte geplant, ja, aber nun feiere ich mit meiner Frau Isabella ganz privat in Kambodscha. Anlässlich von Marc Walders Geburtstag lernte ich Hannes Schmid kennen, den Gründer der Stiftung Smiling Gecko. Ich hörte auf meinen Bauch und entschied mich, auf eine grosse Feier zu verzichten. Nachdem ich in den letzten Jahren mein fünfzigjähriges Firmenjubiläum und auch meine Buchvernissage im grossen Stil im Theater 11 gefeiert habe, geniesse ich meinen Tag lieber in aller Ruhe und spende den Betrag, den ich für die Feier investiert hätte, Smiling Gecko. Für mein Herz und meine Seele ist das die richtige Entscheidung.
Wird sich mit Ihrem achtzigsten Geburtstag etwas verändern?
Es fühlt sich nicht mehr so an wie mit sechzig und siebzig. Die Zahl Achtzig ist etwas Besonderes, und die Tage vor mir sind sehr wertvoll. Ich bin dankbar für jeden Tag und lasse mich bewusst nicht in eine Negativspirale ziehen. Ich geniesse lieber die Zeit mit meiner Frau und meiner Familie.
Was ist eigentlich das Freddy-Burger-Erfolgsprinzip?
Meine drei Credos, die mich durchs Leben begleitet haben, sind: Mache, was immer du machst, mit Liebe, Lust und Leidenschaft. Höre auf Hirn, Herz und Bauch. Und: Never give up. Damit bin ich immer gut gefahren.
Das ausführliche Interview mit Freddy Burger ist in der persönlich-Printausgabe vom Dezember erschienen.