In der Literaturszene regt sich heftiger Widerstand gegen ein mögliches Aus des Lesewettbewerbs rund um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Österreich. Die "Tage der deutschsprachigen Literatur" sind durch die Sparpläne des ORF gefährdet.
Die Lesungen zum 37. Ingeborg-Bachmann-Preis, die am 3. Juli in Klagenfurt beginnen, könnten die letzten sein. Die Autorin Maja Haderlap, die den Bachmann-Preis 2011 gewann, bezeichnete die Pläne im Magazin "Focus" als "geistige Selbstamputation" Österreichs.
Bachmann-Preisträgerin (1986) Katja Lange-Müller forderte, dass "Österreichs profiliertester und populärster Beitrag zur Förderung der deutschsprachigen Literatur fortbestehen" solle. Zuvor war bekanntgeworden, dass der öffentlich-rechtliche Sender ORF im kommenden Jahr ein drastisches Sparprogramm umsetzen will.
Die Direktorin des für die Austragung des Bachmann-Preises zuständigen ORF-Landesstudio in Kärnten, Karin Bernhard, sagte, dass sie mit ihrem Budget das Lesefestes 2014 nicht mehr finanzieren könne. Bernhard hofft, dass es mit Sponsoren und weiteren Kooperationspartner noch eine Rettung für das Lesefest gebe.
Der mit 25'000 Euro dotierte Bachmann-Preis selbst wird von der Stadt Klagefurt gestiftet. Andere Auszeichnungen im Rahmen der Veranstaltung werden von Banken und Verlagen übernommen.
"Schaden für Literaturstandort Kärnten"
Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff, die den Preis 1998 entgegennahm, sprach sich im "Focus" für eine Fortsetzung des Wettbewerbs durch andere Sender aus: "Das literarische Leben wäre um eine sehr öffentlichkeitswirksame Arena ärmer."
Auch in Österreich regt sich heftiger Widerstand. Der Kärntner SchriftstellerInnen Verband (KSV) warnte vor einem "Kahlschlag für die moderne Literatur im Lande und einen unwiederbringlichen Schaden für den Literaturstandort Kärnten".
Der Wegfall wäre für den konservativen Kulturlandesrat Wolfgang Waldner ein schwerer Schlag für die Kärntner Kultur: "Die Einsparung in diesem Bereich durch den ORF wäre eine bittere Enttäuschung." Kärnten werde für den Bachmann-Preis kämpfen, sagte auch der sozialdemokratische Landeshauptmann (Ministerpräsident) Peter Kaiser.
Am Wettlesen um den Bachmann-Preis nehmen - ausser heuer - auch Autoren und Autorinnen aus der Schweiz teil. Der Wettbewerb wird von 3sat jeweils live übertragen und erreicht rund 100'000 Zuschauer. (sda)
Durch Sparpläne des ORF gefährdet
Ingeborg-Bachmann-Preis - Heftiger Widerstand in der Literaturszene.