Der Onlinehändler Amazon will einen eigenen Musikvertrieb starten. In Kooperation mit dem On-Demand-Anbieter Tunecore arbeitet Amazon derzeit an einem CD-Vertrieb für Musiker. Offiziell starten soll der neue Geschäftsbereich am 1. Juli dieses Jahres. Dann können Bands und Künstler direkt über Amazon ihre Musik verkaufen und brauchen weder Labels noch Großhändler, um die Endkunden zu erreichen. Tunecore setzt in erster Linie auf CDs, obwohl das physische Geschäft mit Musik seit Jahren auf Talfahrt ist. Allerdings ist das On-Demand-Unternehmen bisher mit dieser Schiene ganz gut in Schwung gekommen. Zusätzlich übernimmt Tunecore auch die Verbreitung der Musikstücke über verschiedene Online-Stores wie iTunes oder Napster.
Jene Bands, die bereits Tunecore als Distributor nutzen, haben in den vergangenen 22 Monaten mehr als 32 Mio. Dollar Einnahmen generiert, berichtet das Wired Magazine. Einzelne der populäreren Musiker erzielen mehr als 20.000 Dollar monatlich durch den CD-Verkauf. Im Zuge der Kooperation mit Amazon vergrößert sich das Tunecore-Publikum um ein Vielfaches und damit auch die potenzielle Fanbasis der Bands. Der Onlinehändler verfügt immerhin über einen Kundenstamm von über 80 Mio. Menschen weltweit.
40 Prozent der Einnahmen der über Amazon verkauften CDs sollen künftig an die Musiker gehen. 60 Prozent des Umsatzes behält Amazon für sich ein. Tunecore betont, dass der Anteil von 40 Prozent voll an die Künstler weitegegeben werde. Im Gegenzug bekommt der On-Demand-Anbieter Geld von den Bands für die Verbreitung der Musik als Downloads bei den verschiedenen Onlinehändlern sowie für die Herstellung der CDs und dem dazugehörenden Artwork.
Für die Bands gestaltet sich ein Vertrieb via Tunecore durchaus lohnend. Die Einstellgebühr pro Jahr und Album beträgt nur 20 Dollar plus 99 Cent pro Song auf dem Album. Eine CD mit zehn Songs käme somit auf rund 30 Dollar Vorschusskosten für einen Künstler. Damit kommen die Bands in jedem Fall sehr schnell ins Plus, auch wenn ihre Werke nur zu sehr niedrigen Preisen verkauft werden. Hinzu kommt, dass es keine Bindung an ein Label gibt. Gleichzeitig fehlt allerdings auch das professionelle Marketing, das die Plattenfirmen in der Regel für ihre Künstler übernehmen und sie somit bekannt machen. (pte)