Herr Schorno, der Streetparade laufen die Sponsoren davon. Ist die Megaparty bald vorbei?
Nein. Wir haben zwar in der Tat einen unserer grössten Sponsoren verloren. Einen beträchtlichen Teil dieses Verlusts konnten wir jedoch mit diversen kleineren Sponsoren wieder wettmachen. Von einem generellen Abwärtstrend kann man also nicht sprechen. So können wir auf eine ganze Reihe von langfristigen Partnern wie etwa die Trendmarke Red Bull zählen, die seit bald zehn Jahren mit dabei ist. Dies zeigt uns: Die Streetparade ist nach wie vor am Puls der Zeit.
Das Budget musste trotzdem von 1.2 Millionen auf 1 Million Franken gekürzt werden. Weshalb?
Wir mussten das Budget auch anpassen, weil wir aufgrund des Regens vor drei Jahren auf die Reserven zurückgreifen mussten. Nun ist eine Grenze erreicht, die wir nicht mehr unterschreiten können. Bei einem Budget von weniger als einer Million ist es nicht mehr möglich die Qualität zu bieten, die von uns verlangt wird -- auch von der Stadt. Wir benötigen eigentlich rund 1.5 Millionen um die tatsächlichen Aufwände vernünftig decken zu können. Wir fordern deshalb, dass die Stadt uns die Gebühren erlässt.
Bleiben wir bei der Sponsorensuche: Gestaltet sich diese schwieriger als in anderen Jahren?
Es gibt in der Schweiz eine riesige Veranstaltungsdichte, jedes Jahr kommen neue Events dazu. Der Kuchen an Sponsorengeldern wächst jedoch nicht. Im Gegenteil: Nur ganz wenige Firmen eröffnen ein neues Sponsoringbudget, zugleich geht das Engagement der Tabak- und Alkoholbranche zurück aufgrund der neuen gesetzlichen Restriktionen. Dies führt dazu, dass der Konkurrenzkampf unter den Veranstaltern stark zugenommen hat. Diese Entwicklung bekommt die Streetparade zu spüren, wie alle anderen Event-Veranstalter übrigens auch.
Einige Kritiker führen die Zurückhaltung der Sponsoren auf eine Verschlechterung des Images der Streetparade zurück.
Wir haben kein Imageproblem. Im Gegenteil: Dieses verbesserte sich in den vergangenen Jahren stetig. Das Drogenimage der ersten Jahre haben wir abgelegt, der Anlass findet mittlerweile eine breite Akzeptanz. Wir leisten ja auch mehr Prävention als jede andere Veranstaltung.
Der Blick nennt die Streetparade eine "Saufparade".
Solche Berichte werden jedes Jahr verfasst. Mal wird die Streetparade tot gesagt, nun wird sie halt als "Saufparade" bezeichnet. Meines Erachtens disqualifiziert sich der Blick mit solchen Berichten selber. Schlussendlich aber hat die Streetparade solche Mediengeschichten noch jedes Mal überlebt.
Andere Grossveranstalter wie die Uefa bei der Euro 08 unterstützen ihre Sponsoren, indem sie rigoros gegen Trittbrettfahrer-Werbung vorgehen. Schützen Sie den Namen Streetparade zu wenig konsequent?
Nein. Wir sind in der Vergangenheit intensiv gegen Missbräuche vorgegangen -- sofern gravierende Fälle vorlagen. Wenn ein Coiffeur-Laden Plakate mit unserem Logo aushängt, haut das bei uns niemanden um. Wirbt aber ein Grosskonzern mit der Streetparade, werden wir aktiv.
Mit welchen Massnahmen?
Wir versuchen stets, eine einvernehmliche Lösung mit den Firmen zu finden. So konnten wir in den vergangenen Jahren einige Fälle gütlich regeln. Einzelne haben in der Folge gar zu einer Partnerschaft geführt. Aufgefallen ist uns dabei, dass einige Werbeagenturen Aktionen starten, ohne sich über den Markenschutz Gedanken zu machen.
Beispielsweise?
Ein Beispiel: Die Mobiliar schaltete vergangenes Jahre Inserate, auf welchen gezeichnete Love Mobiles und der Begriff Love Mobiles zu sehen waren. In der Folge intervenierten wir beim Konzern und wiesen darauf hin, dass Love Mobile ein geschützter Begriff ist. Nun haben wir mit der Mobiliar einen guten Weg gefunden: Sie tritt dieses Jahr als Werbekunde im Streetparade-Booklet auf.
Ist Ihr Vorgehen gegen Ambush Marketing damit nicht zu rigoros?
Nein. Am Tag der Veranstaltung setzen wir speziell ein Security-Team ein, welches das Gebiet durchforstet, um Missbräuche des Markenschutzes zu entdecken. Dies allerdings ist sehr aufwändig.
Weshalb veranstaltet der Verein Streetparade nicht selbst eine Massenparty, um so die nötigen Einnahmen zu generieren?
Wir haben diese Option schon geprüft, kamen dabei aber zum Schluss, dass der Break-Even bei einem seriös durchgeführten Anlass zu hoch ist. Der Verein Streetparade kann im Gegensatz zu einem privaten Veranstalter keine so grossen Risiken eingehen. Wir wollen vielmehr alle unsere Kräfte auf die Durchführung der Parade konzentrieren. Dieses Jahr haben wir eine Partnerschaft mit "Music for Live", dem Organisator der Party im Hallenstadion beschlossen, der bei uns viele Werbeplätze gekauft hat. Damit profitieren wir nun auch in beträchtlichem Masse von den Veranstaltungen rund um die Streetparade.
Abschlussfrage: Wie wichtig ist es Ihnen, die Zuschauerzahlen der vergangenen Jahre noch einmal zu steigern?
Die Streetparade zieht ohnehin mehr Zuschauer an, als jede andere Veranstaltung weit und breit. Uns und auch den Sponsoren spielt es keine allzu grosse Rolle, ob nun 100'000 Besucher mehr kommen oder weniger. Wichtig ist, dass wir bei der Sicherheit, der Sanität und den sanitären Anlagen auf die vielen Besucher vorbereitet sind.
(Interview: David Vonplon)